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Wunderbares Open Flair

Du wunderbares Open Flair

10.08.2025 [al] Ach, liebes Open Flair. Was bist du doch so wunderbar und kein bisschen leiser geworden mit den Jahren. Die Sonne scheint und das ganze schlechte Wetter der vergangenen Wochen ist vergessen. Wie jedes Jahr wird Eschwege am zweiten Augustwochenende von tausenden Musikfans besiedelt.

Der Mittwoch: Auftakt

Opener dieses Jahr sind Focus aus Riesa (Sachsen). In der Hinterhand haben sie zwei EPs und ein Album. Jetzt ist das neue Album “Nie nur ne Phase” da und die Band heiß darauf, ihre ehrlichen Texte hinaus in die Welt zu tragen. Und da ist das Open Flair ja schon ein ganz guter Anfang. Tatsächlich sind bei ihrem Auftritt auch schon vereinzelt erste Crowdsurfer zu beobachten. Die erste Singleauskopplung “Alkohol” wird direkt vom Publikum mitgesungen. Hi!Spencer waren bereits vor drei Jahren in Eschwege. Sie wussten damals schon mit ihrer Musik zu überzeugen, die sich irgendwo zwischen Pop, Rock, Punk und Indie einordnen lässt, aber eben doch in keine Schublade so richtig passen will. Ihr neues Album “Oben” mit der Single “Lösen” haben sie mit auf die Seebühne gebracht. Das Publikum in den vorderen Reihen erweist sich als sehr textsicher, auch direkt schon beim ersten Song “Fotopapier” oder auch beispielsweise bei “Träumer”. Etwas länger im Geschäft ist die nächste Band. Seit die Rogers 2012 ihren Plattenvertrag unterschrieben, sind fünf Alben entstanden. 2023 erschien “Rambazamba & Randale”. Die Düsseldorfer Band spielte zuletzt vor drei Jahren auf dem Open Flair. Bei ihrem Auftritt dieses Jahr bilden sich die ersten Moshpits des Tages und Songs wie “geh mir nicht mehr auf die Eier” werden lautstark mitgesungen. Schlagzeuger Dominic Sbarcea feiert heute sein 11-jähriges Bühnenjubiläum mit den Rogers und damals war sein erster Auftritt mit der Band tatsächlich auch auf dem Open Flair. Der Auftritt dieses Jahr bietet viel Potential zum Singen und Tanzen, so ertönt der Refrain von “für immer” aus vielen Kehlen und bei “Kreuzberger Nächte” zieht sich eine Polonaise durch das Publikum.

Manchmal ist es so einfach, einen Bandnamen zu finden: man nehme einfach die ersten beiden Stellen der Postleitzahl und schon heißt man Raum27, wenn man von der Nordsee kommt. Die Erfolgsgeschichte der beiden Musiker ist noch nicht lang, klingt aber nach einer guten Zukunft: das aktuelle Album “Keine Tränen” erschien dieses Jahr und konnte bis auf Platz 10 der deutschen Charts klettern. Sie können bereits auf eine treue Fangemeinschaft bauen. Und sie geben ihren treuesten Seelen auch etwas zurück, nämlich die Chance für einen Heiratsantrag. So ergibt es sich, dass Jonas und Nele in der Mitte des Publikums stehen, alle Augen auf sie gerichtet. Sie sagt ja. Als kleines Vorab-Geschenk der Band gibt es dann “Vermiss dich” zu hören, einen älteren Song, den sie sonst eigentlich nicht mehr spielen. Die Stimmung ist gut, Sänger Tristan gibt alles auf der Bühne und springt umher wie ein Flummi. Weiter geht es mit Maxïmo Park, welche tatsächlich ganze 16 Jahren nicht auf dem Open Flair waren. Auch wenn ich damals schon Jahr für Jahr nach Eschwege gekommen bin, so war dieses großartige Liveerlebnis bis dato an mir vorbei gegangen. Das sollte sich nun 2025 ändern. Ihr aktuelles Album “Stream of Life”, welches letztes Jahr erschien, wurde hoch gelobt. Leider hat man das Gefühl, dass Maximo Park nicht den Puls des jüngeren Publikums treffen. Die Show ist sehr solide und gut, aber leider fehlt dieses Kribbeln, das man hat, wenn das Publikum einfach ausrastet und Spaß hat.

Der Donnerstag

Vor gerade einmal zwei Jahren ist der Biberacher Musikproduzent Jonas Hipper als eigenständiger Künstler Fryzt in Erscheinung getreten. Es ist eine One-Man-Show mit viel Gefühl, aber auch guter Laune und durchaus sehr tanzbaren Nummern. Auf dem Open Flair ist er recht spontan als Ersatz eingesprungen. Neben eigenen Nummern gibt es u.a. auch eine Coverversion von Juli “Regen und Meer”.

In der ersten Umbaupause kommen die ersten Walkacts auf das Gelände. Es ist jedes Jahr wieder erstaunlich, was sich manche einfallen lassen und wie kreativ die Ideen und Kostüme sind.

Bei TRiPKiD weht dann ein anderer Wind über das Gelände der Seebühne. Nach einer kleinen Clubtour im Frühling sind sie nun in Eschwege zu Gast. Mit ihrer brachialen Musik und den direkten Texten animieren die Stuttgarter Musiker das Publikum zu ordentlich Bewegung. Es gibt wieder Moshpits. Beim ersten Song tragen die Drei noch Masken, welche dann aber abgelegt werden. Mit ihrer ehrlichen Musik und den guten Sounds bekommen sie das Publikum sehr gut in den Griff. Letzter Song ist “unsere Schwester”.

Reis against the Spülmachine, Musik trifft Comedy. Nicht zum ersten Mal beehren die beiden das Open Flair und auch dieser Auftritt versprach schon im Vorfeld, für ordentlich gute Abstimmung zu sorgen. Direkt mit dem ersten Lied des Tages “Zweikomponentenkleber” ist das Eis gebrochen und das Publikum hat extrem viel Spaß, tanzt und singt. Das Gelände ist für den Donnerstagnachmittag bereits sehr voll.

Auch bei Future Palace versprach es schon im Vorfeld, laut zu werden. Die Berliner Band, die unter anderem schon mit Electric Callboy und Annisokay getourt ist, hat bisher drei Alben veröffentlicht, zuletzt “Distortion”. Es war längst an der Zeit für einen Auftritt beim Open Flair, bevor es dann im Herbst auf Nordamerika-Tour geht. Future Palace sind zum ersten Mal beim schönsten Festival und stellen musikalisch ein ziemliches Kontrastprogramm zur vorherigen Band dar. Da fliegen Haare und es gibt wieder Moshpits.

Eigentlich haben sich Irie Révoltés, die sich vor 25 Jahren gegründet haben, 2017 von den Bühnen verabschiedet, auch mit einem großartigen Auftritt beim Open Flair damals. Eigentlich. Denn 2025 kehren sie nun, für dieses eine Jahr, zurück und spielen auf einigen Festivals und eine letzte Tour mit großem (bereits ausverkauften) Finale in Mannheim im Dezember. Dieser Auftritt ist wirklich ein Hightlight des Tages. Man könnte es schon fast als einen totalen Abriss bezeichnen, der direkt mit dem ersten Song “Allez!” startet. Das Gelände ist eine große Partyzone mit Moshpits, Crowdsurfern, fliegenden Aufblas-Flamingos und Konfetti. Es wird noch einmal wirklich alles rausgeholt. Großartig.

Auch wenn ich persönlich die “Friesenjung”-Version von Otto Waalkes bevorzuge (vielleicht auch meinem Alter geschuldet), so kommt man an diesem Donnerstag nicht an Ski Aggu vorbei. Vor zwei Jahren veröffentlichte er seine eigene Version des Hits und stand damit auch auf Platz 1 der deutschen Charts. Doch der Berliner Rapper hat noch viel mehr zu bieten. Das Publikum in den vorderen Reihen hat sich in der Umbaupause stark verjüngt. Direkt zu Beginn gibt es Feuer und Konfetti.

Der Freitag: das Werdchen öffnet

Auch in diesem Jahr eröffnet das Hauptgelände am Werdchen mit Freibühne und Radio BOB!-Bühne am Freitag und somit stehen den Fans, neben zahlreichen weiteren Veranstaltungsorten in der Stadt, nun auch die zwei größten Bühnen offen. Chaosbay waren vor 3 Jahren noch der Donnerstags-Opener auf der Seebühne. Dieses Jahr sind sie die Freibühne des Hauptgelände gewandert. Zwar ebenfalls zu recht früher Stunde, aber mit ihrer Musik rütteln sie wohl jeden sofort wach, der sich in die Nähe des Geländes begibt. Im letzten Jahr erschien ihr Album “Are you afraid” mit dem gleichnamigen Titelsong. Von der ersten Minute an geben die Musiker aus Berlin wirklich alles und das Publikum dankt es ihnen. Besonders Fans der härteren Töne lassen sich hier vor der Bühne finden. Das macht Spaß, was die vier dort abliefern. Neben “Maniac in the mirror” gibt es unter anderem auch die brandneue Single “Enemy” zu hören.

Ein Blick zurück auf die frühen 90er Jahre in einer niederrheinischen Kleinstadt: ein paar Jugendliche gründen eine Punkrockband, inspiriert von Größen wie Metallica,Slayer oder Slime. Wir spulen vor auf das Heute und Hier, wo Betontod zum mittlerweile vierten Mal hier spielen. Im Dezember findet ihre große Jubiläumsshow “35 Jahre Betontod” in Hamburg statt. Mit über 1000 gespielten Konzerten müssen sie niemandem etwas beweisen und doch zeigen sie zu recht früher Stunde auf der Radio BOB!-Bühne, dass es sie zurecht schon so viele Jahre gibt. Das ist guter, handgemachter Punkrock, der sofort zum mitmachen animiert.Das Werdchen ist gut gefüllt, als Mitsingnummern wie “keine Popsongs” über das Gelände tönen.

Serpentin, welche erst im letzten Jahr zu Gast in Eschwege war, überzeugte so sehr, dass sie auch 2025 wieder da ist. Die junge Sängerin ist auch Songwriterin und Produzentin und hat sich sicher für ihren Auftritt nicht weniger vorgenommen als das ganze Publikum wieder in Bewegung zu bringen mit ihrer Mischung aus Indie, Elektro und Pop. Gefühlt will an diesem doch recht frühen Freitagnachmittag der Funke nicht so ganz an der Freibühne überspringen.

Beim nächsten Act wird es voll auf der Bühne. Wenn sich 13 Mann zusammentun, um gemeinsam etwas Großes zu schaffen, dann könnte das heißen: Querbeat sind da und heizen dem Open Flair mächtig ein. Es herrscht eine ausgelassene Partystimmung, es fliegen Aufblasflamingos übers Publikum. Anschließend mischen sich einige Bandmitglieder unter das Volk und spielen umringt von Fans ein paar Nummern. Auch Rantanplan aus Hamburg gehören zu den “alten Hasen” im Musikgeschäft. Doch wer denkt, dass die Musiker mit den Jahren leiser werden, hat sich getäuscht. In ihrer 10-jährigen Open Flair-Abstinenz ist einiges passiert, z.B. erklomm ihr 2023 erschienenes Album “Ahoi” Platz 11 der deutschen Albumcharts. Sie locken an diesem wunderbar sonnigen Freitag besonders Fans des guten Punkrock vor die Freibühne.

Die nächste Band bringt mich an die Seebühne. Selten sieht man Künstler auf dem Open Flair, die von so weit herkommen wie Coldrain aus Japan. im Jahr 2007 in Nagoya gegründet, konnten sie besonders durch ihre Tourneen gemeinsam mit beispielsweise Bullet For My Valentine oder Electric Callboy auch in Europa Fuss fassen und eine Fanbase aufbauen. Im Frühjahr 2024 gingen sie auf eigene Clubtour in Deutschland und nun ist es Zeit das Festival zu erobern. Und was sie da abliefern an der Seebühne ist mehr als nur gelungene Überzeugungsarbeit. Brachiale Beats treffen auf Growls und dann wieder melodischen Gesang. In meinen Ohren klingt das ganz wunderbar und auch das Publikum scheint sehr begeistert. Ich kann mir vorstellen, dass sie mit diesem gelungenen Auftritt den ein oder anderen neuen Fan für sich gewinnen konnten und ich denke, man wird in nächster Zeit noch etwas mehr von Coldrain hören. Auch Royal Republic gehören zu den Wiederholungstätern. Zwar liegt ihr letzter Auftritt auf dem Werdchen schon etliche Jahre zurück, aber umso schöner ist es, dass sie nun dieses Jahr wieder das Eschweger Publikum begeistern wollen. Und dass sie nichts verlernt haben, beweisen sie bei ihrer gut 70-minütigen Show. Mit zwei neuen Alben im Gepäck (seit ihrem Auftritt 2016) und jeder Menge Spielfreude überzeugen die Schweden von der ersten Minute an. Besonders natürlich Sänger Adam Grahn hat das Publikum sofort im Griff. Die Musik macht gute Laune, die Menschen tanzen.

Musik, wie sie von der Punk Rock Factory kommt, würde man vermutlich geografisch eher im sonnigen Kalifornien verorten. Aber nein, die drei Musiker kommen aus Süd-Wales und haben sich auf die Fahne geschrieben, sämtliche Hits der 90er und 2000er mit einer gehören Prise Punkrock zu versehen, sei es beispielsweise “Back for Good” von Take That oder “Gangsta’s Paradise” von Coolio. Keine Nummer ist vor ihnen sicher. Und so ist das Gelände an der Seebühne auch ganz gut gefüllt, als die Band einen Coversong nach dem anderen spielt. Die Stimmung ist großartig.

Wenn ich an den (ersten und bisher) einzigen Auftritt von Yungblud aus dem Jahr 2019 zurückdenke, dann kommt mir sofort wieder in den Sinn, wie wild und verrückt die Show damals war. Und wer nicht ganz blind und taub war, wusste: er kommt wieder. und dann als einer der Mainacts auf der Radio BOB!-Bühne. Dieses Jahr sollte es nun so weit sein und der junge Brite, der erst vor drei Tagen seinen 28. Geburtstag feierte, liefert eine fantastische, energiegeladene Show ab. Wahnsinn, wie er da über die Bühne springt, gewohnt exzentrisch und mit starker Mimik und Gestik. Er sucht die Nähe des Publikums, um dann im nächsten Moment wieder komplett alles loszulassen auf der Bühne. Ein wahrer Performancekünstler und wohlverdient einer der Headliner des diesjährigen Open Flair Ausgabe.

Der Samstag: im Festivaltaumel

Danko Jones wissen, was sie auf der Bühne tun. Und das seit über 20 Jahren. Auch wenn ihr letzter Auftritt schon eine ganze Weile zurückliegt (um genau zu sein: 8 Jahre) und ich mir im Vorfeld nicht so sicher war, ob sich die drei Musiker auf der großen Hauptbühne nicht doch verlieren, so muss man sagen: das funktioniert wirklich gut. Das Werdchen ist gut gefüllt zu dieser frühen Zeit und so schmettern die Kanadier feinste Rockmusik über den Platz. Auch die Antilopen Gang war viele Jahre nicht hier. Seit ihrem letzten Auftritt sind ein paar Alben dazugekommen (zuletzt “Alles muss repariert werden” 2024) und die Fangemeinde wächst stetig. Der Auftritt ist energiegeladen, es gibt eine Wall of Death im Publikum und auch hier reiten Fans wieder auf aufblasbaren Flamingos übers Publikum.

Ein kurzer Wechsel zur Freibühne lässt dort Fans der härteren Töne versammeln, als Drei Meter Feldweg spielen. Sie überzeugten bereits bei ihrem letzten Auftritt vor gerade einmal zwei Jahren, damals noch auf der Seebühne (wir berichteten). Auch 2025 ist das Publikum tanzwillig, es gibt Crowdsurfer, die, wie immer in Eschwege, von der großartigen Security der Stageline Crew sicher in den Graben geholt werden.

Zurück an der Radio BOB!-Bühne hat sich das Publikum in den vorderen Reihen sichtbar verjüngt und auch der weibliche Anteil ist höher als noch bei der Antilopen Gang zuvor. Der Grund: Ennio. Der junge Münchner hatte seinen Durchbruch 2021 mit seiner Single “Blaulicht” und er ist seitdem nicht zu bremsen. Im Gepäck hat er neben einigen älteren Songs natürlich auch Sachen vom aktuellen Album “Schlaraffenland”.

Auf der Freibühne ist im Anschluss Frauenpower angesagt: Paula Carolina ist da und macht gute Stimmung. Sie kommt ehrlich und sympathisch rüber. Die 26-jährige Sängerin, die mittlerweile in Hannover wohnt, strotzt nur so vor Energie. 2023 überzeugte sie bereits auf der Hofbühne. Im letzten Jahr erschien ihr erstes Album “Extra”. Nothing But Thieves aus England haben im Laufe ihres 13-jährigen Bestehens 4 durchaus erfolgreiche Alben veröffentlicht, welche besonders in ihrer Heimat einstellige Chartplatzierungen erzielt haben. Auch beim Open Flair waren sie schon – zuletzt 2019 – zu Gast. Dieses Jahr will der Funke aber nicht so ganz überspringen.

Ganz im Gegensatz dazu die nächste Band: Itchy sind Garant für gute Laune und ordentlich Stimmung. Das weiß jeder, der die Band schon einmal auf einem Festival gesehen hat. Bei ihrem über 20-jährigen Bestehen ist die Chance auch gar nicht so gering, sie schon mindestens einmal live erlebt zu haben. Der letzte Auftritt auf dem Open Flair ist wirklich sehr lange her, aber das Publikum hat nichts vergessen. Crowdsurfer dürfen genauso wenig fehlen wie der von Sibbi fast schon obligatorische Ritt auf dem Guitarcase. Später kommen Sibbi und Panzer ins Publikum und singen im Lichtermeer, umringt von den sitzenden Fans.

Finaler Act sind an diesem Samstagabend I Prevail. Ein recht harter Headliner für das Open Flair, wie ich finde. Das Werdchen ist gut gefüllt, aber wirklich voll ist leider anders. Das wird besonders auch beim Blick von oben auf das Festivalgelände deutlich. Aber die Fans, die dort auf dem Werdchen sind, feiern die Band aus Michigan. Hier schallt feinster Metalcore über das Gelände, Hände zu Pommesgabeln geformt werden in die Luft gestreckt. Großartig und für mich ist es ein guter Abschluss des vorletzten Tages.

Der Sonntag: Finale

Etwas ungewöhnlich für das Open Flair erscheinen im ersten Moment Kitty, Daisy & Lewis. Die Band, die da auf der Hauptbühne steht, überzeugt nicht durch eine wilde Liveshow. Das müssen sie auch nicht, denn sie verstehen ihr Handwerk. Es ist eine entspannte Musik, die die drei Geschwister da über das Werdchen ziehen lassen und somit einen guter Start in den fünften und letzten Tag bieten. Die vergangenen Tage sind den meisten Leuten vor Ort schon anzusehen. Man braucht hier wirklich gute Ausdauer.

An der Freibühne ist es im Anschluss dann etwas punkiger mit Butterwegge. Seit 10 Jahren ist die Band rund um Sänger Carsten Butterwegge unterwegs. Dass die Texte nicht unpolitisch sind, lässt sich vor dem Hintergrund des Politikwissenschaftsstudiums des Frontmanns wohl kaum vermeiden. Dennoch bedeutet ein Butterwegge-Konzert viel Spaß, wie sich auch an diesem Sonntag zeigt.

Etwas kantig, rotzig und laut. Aber was würde man anderes bei einer Band namens Team Scheiße erwarten? Genau. Und so wird es auch ein gelungenes Konzert, das die Bremer Punkrocker dort aufs Parkett legen. Die aktuelle Single “Mittelfinger” wird lauthals vom Publikum mitgesungen.

Wenn man die Blackout Problems schon lange kennt und sie bereits zu ihren Anfängen auf der Bühne gesehen hat, muss man wirklich feststellen, dass da eine große Entwicklung passiert ist. Eine sehr große. Musikalisch ist es erwachsen und lauter geworden. Gereift. Ihr letztes Album “Riot” ist 2024 erschienen und hat zumindest kurz in die Top 5 der deutschen Albumcharts geschnuppert. Mario Radetzky hat über die Jahre starke Frontmann-Qualitäten entwickelt und die zeigt er auch beim mittlerweile schon fünften Festivalauftritt der Band. Da ist Energie in der Luft, die Leute tanzen und singen und Mario gönnt sich einen Stagedive.

Enter Shikari geben sich zum dritten Mal, nach ihren Auftritten 2014 und 2019, die Ehre. Die Show lebt besonders von dem niemals still stehenden Sänger Rou Reynolds. Er wirbelt über die Bühne, reißt den Mikrofonständer in die Luft oder nimmt ein Bad in der Menge der Fans. Und wenn Enter Shikari spielen, dann weiß man bereits im Vorfeld: irgendwo hinauf wird Rou klettern. Bei ihrem letzten Auftritt in Eschwege war es der FOH-Turm und das sorgte damals für viele erstaunte Blicke und offene Münder. Dieses Jahr klettert er auf die meterhohen Boxen am Bühnenrand. Unberechenbar, wild und dadurch immer wieder sehenswert.

Auch am fünften Tag kommt das jüngere Festivalpublikum auf seine Kosten, als 01099 aus Dresden mit ihrem Hip Hop die Fans vor die Radio BOB!-Bühne locken. Was man auf den ersten Blick gar nicht vermutet: die mittlerweile nur noch 3 festen Mitglieder der Kombo haben alle einen musikalischen Background, lernten sie sich doch in sehr jungen Jahren im Orchester kennen. Ihre Musik veröffentlichen sie großteils im Selbstverlag und dank Streamingplattformen wie Spotify setzt sich ihr Erfolg in rasendem Tempo durch. Die Show lässt dann auch nicht viel zu wünschen übrig, sowohl ihre ersten Hits als auch Songs vom aktuellen Album “Kinder der Nacht” erklingen an diesem Sonntagabend.

Die Band Juli rund um Sängerin Eva Briegel allein auf ihren Hit “Perfekte Welle”, mit dem ihnen vor gut 20 Jahren der Durchbruch gelang, zu reduzieren, wird den Musikern nicht gerecht. Insgesamt 5 Alben haben sie veröffentlicht, das letzte Album “Der Sommer ist vorbei” konnte sich sogar für einige Wochen in den deutschen Top 10 behaupten. Das Konzert, eines der letzten der diesjährigen Festivalausgabe, ist sehr gut besucht, es herrscht eine schöne Stimmung und die Security haut alles an Konfetti raus, was noch übrig ist.

Den Auftritt von Papa Roach dürfen wir leider fotografisch nicht begleiten, aber, was soll ich sagen: ich hatte wieder einmal ein wunderbares Open Flair, liebevoll an so vielen Ecken organisiert und umringt von tollen Menschen vor der Bühne, hinter den Kulissen. Es war mir wieder ein Fest und schon jetzt freue ich mich wahnsinnig auf das nächste Jahr, wenn dann unter anderem Bosse und die Emil Bulls das Werdchen zum Tanzen bringen werden.

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