Rockharz 2025
Schweiß auf der Haut, Sonne im Nacken, Metal im Herzen
05.07.2025 [ama/sh] Wenn das Rockharz Open Air ruft, strömen nicht nur hartgesottene Metal-Fans in den Harz, sondern auch all jene, die wissen, dass dieses Festival weit mehr bietet als nur Musik. Es ist ein Ort, an dem das Gefühl von Familie lebendig wird. Denn was das Rockharz ausmacht, ist der einzigartige Spirit, der die Menschen über die Jahre hinweg miteinander verbindet. Es ist der Duft von frisch gemähtem Gras, das Knistern der Gitarren und der einladende Klang von Menschen, die sich mit einem Lächeln und einem kalten Getränk in der Hand inmitten der drückenden Sommersonne wiederfinden. Umringt von geheimnisvollen Wäldern und der legendären Teufelsmauer entsteht jedes Jahr dieser Ort, der mehr als nur ein Festival ist, er ist ein Zuhause für all jene, die den echten, ungeschliffenen Metal-Lifestyle lieben.
2025 war da keine Ausnahme. Trotz der Hitzewelle, die selbst die härtesten Rocker ins Schwitzen brachte, konnte das Festival nicht nur organisatorisch, sondern auch emotional glänzen. Die Crew, die Fans und die unerschütterliche Liebe zur Musik machten das Rockharz zu einem unvergesslichen Erlebnis. Und ja, dieses Jahr gab es sogar Hochzeiten. Wo, wenn nicht hier, sollten Metalheads ihre ewige Liebe zueinander finden? Das Rockharz ist eben nicht nur ein Ort für Gitarrenriffs und Moshpits, sondern auch ein Fest der Menschlichkeit, der Freundschaft und der gemeinsamen Leidenschaft für den Metal.
Aber das Rockharz hat auch in Sachen Barrierefreiheit und Digitalisierung ordentlich aufgerüstet. Besonders hervorzuheben ist die neue Rockharz Kompass App, die den inklusiven Festivalbesuch für vor allem sehbehinderte Personen noch einfacher machte. Mit Funktionen wie Turn-by-turn-Navigation, einem Überblick über die Running Order und Preisübersichten für die Gastrostände war das Festivalgelände nie weit entfernt.
Und wer dachte, dass der Weg zum Rockharz genauso chaotisch ist wie der Weg durch den Moshpit, der wurde eines Besseren belehrt. Das neue Anreise- und Verkehrskonzept war ein Erfolg. Dank der Live-Drohnenstream-Unterstützung und optimierter Einweisung ging es schneller und entspannter zum Festivalgelände, die durchschnittliche Wartezeit lag bei angenehmen zwei Stunden. Hier wird klar, die Rockharz-Familie wächst und sie tut das mit Herz und Hirn.
Hitzeschlacht & Headbangen – Rockharz Mittwoch zwischen Schweiß, Staub und Wasserschlauch.
Der Tag, der sowohl vom Wetter als auch von der Musik nur eines forderte: Durchhalten! Der Sommer machte an diesem Tag keine halben Sachen, 38 Grad im Schatten, gefühlt doppelt so viel in der Sonne, und trotzdem, der Harz rockte. Die einzige Rettung war die allseits beliebte Wasserkanone oder die Wasserschlaucheinsätze der Grabenschlampen, welche immer wieder abkühlend wirkten und die Sanitäter vor größeren Einsätzen bewahrte.
Für die hartgesottenen Metal-Fans hatte das Rockharz aber nicht nur Wasserspiele, sondern auch musikalische Überraschungen parat. Die dicken Gitarrenriffs und donnernden Soundwalzen brachten die Festivalbesucher immer wieder an den Rand der physischen Belastung, aber keine Sorge, der Spaßfaktor ging trotzdem nie verloren.
Das musikalische Tor öffneten Excrementory Grindfuckers. Kein leichter Einstieg, besonders nicht bei der Hitzewelle, aber der Grindcore-Punk aus Hannover hatte es mit seinem wilden Humor und harten Sounds direkt in sich. Mit jedem Song ballerten sie aus den Lautsprechern, als gäbe es kein Morgen. Die „grindige“ Phase überlebt, traten anschließend die Wikinger von Týr auf den Plan. Ihre progressiven Riffs und die nordischen Melodien brachten etwas Ruhe in die heißen Köpfe. Wer hätte gedacht, dass progressive Metal bei der drückenden Hitze so gut funktioniert? Aber der Mix aus Gitarren und epischen Rhythmen wehte sanft durch das Areal und gab genug Energie, um den Nachmittag zu überstehen.
April Art in knallroten Outfits und angeführt von ihrer stimmgewaltigen Sängerin Lisa-Marie Watz, nahmen die Fans direkt mit auf eine wilde Reise durch die dunkleren Ecken des modernen Rock-Metal. Die Stimmung stieg, als sie mit ihrem modernen, kraftvollen Sound und einer energischen Wall of Death die Menge auf Touren brachten und den staubigen Boden unter den Füßen erbeben ließen.
Rhapsody of Fire, die legendären Symphonic-Metal-Giganten mussten sich leider mit technischen Problemen herumschlagen, die ihr Set um einige Minuten verzögerten. Doch als sie endlich die Bühne stürmten, ließen sie nichts anbrennen. Mit beeindruckendem Sound, atemberaubenden Gitarrensoli und einer großartigen Performance sprengten die das Stimmungsbarometer.
Anschließend ging es steil bergab in die tiefen, melancholischen Gewässer von Insomnium. Der Gitarrensound, eingetaucht in das goldene Licht der untergehenden Sonne, hatte etwas geradezu Magisches an sich. Als sie mit „Liliane“ begannen, war der ganze Platz in ihrer düsteren, aber wunderschön melodischen Welt gefangen. Der Frontmann Niilo Sevänen hielt uns nicht nur musikalisch auf Trab, sondern versprach uns, dass das Rockharz besser sei als das Tuska Festival in Helsinki. Ja, diese Worte saßen.
Als man dachte, es könne nicht mehr besser werden, kamen die schwedischen Dark Tranquillity und hoben mit ihrer Kraft, Energie und Charme die Festivalaner komplett aus den Angeln. Mit neuen Songs vom 2024er Album „Endtime Signals“ und dem Klassiker „Misery´s Crown“ hauchten sie der brütend heißen Luft die richtige Dosis Gänsehaut ein. Und natürlich konnte sich Fronter Mikael Stanne nicht zurückhalten und sprang für mehr Fannähe ins Publikum. Die folgenden Clawfinger blieben auch nach all den Jahren dem Crossover-Sound treu, der die Menge vor der Bühne in einen wahnsinnigen Rausch versetzte. Wütend aggressive Riffs schlängelten sich durch den Staub des Geländes und führten mit „Do What I Say“ zu einem grandiosen Abschluss.
Und dann, als wäre es nicht schon heiß genug gewesen, kamen Apocalyptica auf die Bühne und heizten mit ihren gewaltigen Cellos und orchestralen Arrangements noch einmal richtig ein. Ohne Gesang, aber mit geballter Metal-Power. Besonders bei „Enter Sandman“ schienen sich Sturm und Melodien gegenseitig anzustacheln, was dem Set eine zusätzliche Dramatik verlieh. Es war nicht nur der Sound, sondern auch die Atmosphäre, die das Publikum mitriss und für ein unvergessliches Erlebnis sorgte.
Saxon, die Legende der britischen Metal-Szene präsentierten sich zum Abschluss so frisch wie eh und je. Der Wechsel an der Gitarre von Paul Quinn zu Brian Tatler von Diamond Head tat dem Sound keinen Abbruch. Die Metal-Altmeister hatten immer noch die Fähigkeit, die Bühne mit klassischem Heavy Metal zu rocken und anschließend brachten Soulfly die letzten Besucher mit einer grandiosen letzten Dosis Metal zu Bett.
Metal, Melancholie & Mittelalterpolonaise – der Rockharz Donnerstag in Bestform.
Nach einem noch wolkenverhangenen und regnerischen Morgen gewann spätestens nach dem Frühstück die Sonne wieder die Oberhand und brannte nun gnadenlos auf das Infield. Während die ersten Bierbecher ihren Weg ins Nirwana fanden, ging es auf der Dark Stage mit den Jungs von Deliver the Galaxy richtig los. Die Quedlinburger ließen es mit einer Mischung aus galaktischem Melodic Death Metal ordentlich krachen. Sci-Fi-Vibes trafen auf Doublebass und der Sänger jonglierte gekonnt mit zwei völlig unterschiedlichen Stimmfärbungen. Ein würdiger Start in den Festivaltag.
Direkt im Anschluss gab es ordentlich Wumms mit Asenblut. Die Göttinger, die an diesem Tag ihr 10-jähriges Bühnenjubiläum feierten, heizten dem Infield ordentlich ein. Sie kredenzten ein Feuerwerk aus deutschen Texten, epischen Rhythmen und ordentlich Power ab. Amon Amarth lassen grüßen, aber Asenblut haben ihren eigenen, unverwechselbaren Sound. Der Ansturm auf die Rock Stage war riesig und die ersten Crowdsurfer sorgten dafür, dass auch die Grabenschlampen ordentlich zu tun hatten. Es schien gar, als wäre der gesamte Campground aus seinen Löchern gekrochen, um sich dieses Spektakel nicht entgehen zu lassen.
Kupfergold hatten Humor, Folk und jede Menge gute Laune im Gepäck. Die mittelalterliche Fantasy-Rock-Band brachte nicht nur musikalisch, sondern auch optisch ordentlich was auf die Bühne. Die rheinische Frontfrau, die mit einer „Brauhaus“-Attitüde durch die Menge wirbelte, war die perfekte Stimmungsmacherin. Beim Sauflied „Der klügere kippt nach“ wurde nicht nur frenetisch mitgeklatscht, sondern es bildete sich auch eine ausgelassene Polonaise im Publikum.
Von humoriger Folk-Mucke ging es weiter zu den dunkleren Gefilden des Gothic-Metal. Mister Misery enterten mit weißen, screamgeschminkten Gesichtern die Bühne. Die Mischung aus hoher Kopfstimme und bösem Growl des Sängers ließ die Sonne fast verblassen. Auch wenn die Menge weniger enthusiastisch wirkte, überzeugten die Schweden mit einer gelungen düsteren, energiegeladenen Show.
The Gems versuchten ein bisschen mehr Hardrock-Flair in die Menge zu bringen, doch leider klangen die Songs allesamt sehr ähnlich. Zweifellos überzeugte die Ex-Thundermother-Sängerin mit ihrer kräftigen Stimme, allerdings blieb das Gefühl, dass sie ihr volles Potenzial nicht ausschöpfte. Dennoch sorgte der Auftritt für einige gute Momente. Ganz anders The New Roses, die den Tag mit ihrem soliden Hardrock ordentlich aufmischten. Hier gab es keine falsche Bescheidenheit. Gitarren, Bass, und ein Sänger, der die Menge direkt ansprach. Als Timmy Rough dann noch ins Publikum sprang, war das Infield eine einzige, riesige Party, die den Boden ordentlich Staub entzogen. Überraschenderweise gesellte sich sogar Stage Manager Mutz zu den Wiesbadenern und performte mit ihnen gemeinsam „Down by the River“. Gänsehaut pur.
Green Lung tauchte die Dark Stage in eine okkulte Atmosphäre. Harte Riffs, ein Bass, der bis in die Knochen ging und eine durchdringende Stimme, die fast schon magisch klang. Leider konnte die Band die Menge nicht ganz so mitreißen, wie es ihrem Talent zugestanden hätte, sie hatten definitiv mehr verdient.
Die Death-Metaller Memoriam ließen den alten „Bolt Thrower“-Spirit aufleben. Der wütende Growl des Frontmanns Karl Willets, gepaart mit den drückenden Gitarren und der alles zermalmenden Doublebass, sorgte für einen energiegeladenen Auftritt und zog die Fans in ihren Bann. Auch mit einem eher überschaubaren Publikum hatten die Briten ihre treuen Anhänger, die kräftig headbangten und den alten Death-Metal-Vibes frönten.
Niemand geringeres als J.B.O. hoben den Spaßfaktor des Tages auf ein neues Level. Laut, rosa, albern, die perfekte Mischung aus Metal und Wahnsinn. Dank der überdimensionalen, natürlich in pink gehaltenen, Bassboxen und des daraus übertönenden Basses gerieten die Eingeweide ins Beben. Die Massen feierten „Verteidiger des Blödsinns“ als gäbe es kein Morgen. Staubige Circle Pits, Wall of Death und die sekündlich eintreffenden Crowdsurfer hielten die nimmermüden Grabenschlampen im Training. Die durften dann auf Ansage der Franken selbst gesammelt in die Crowd, was schlussendlich zu einem beeindruckenden Gruppenfoto führte.
Warkings, Zeit für soliden Power-Metal, schnelle Rhythmen und grandiose Kostüme. Besonders der Wechsel von männlicher und weiblicher Stimme harmonierte perfekt. Auch Sodom zündeten eine beeindruckende Soundwand, die ihresgleichen suchte und den Platz zum Beben brachte. Wer auf Thrash Metal steht, der wurde nicht enttäuscht. Mit Versengold kam der Folk-Charme zurück. Ohne die typischen Mittelalterkostüme, aber dafür mit einer Performance, die an Charme und Witz nichts vermissen ließ. Die Geigenklänge, die das Festival-Gelände nun erfüllten, machten gute Laune und das Infield tobte zur Feier.
Ein Hauch von Dystopie waberte über den Platz. King Diamond schlich mit seiner düsteren Aura über die Bühne und bot eine Horror-Performance, die ihresgleichen suchte. Die ganze Bühne war von dramatischen Effekten und Lichtspielereien durchzogen, was dem Auftritt eine schaurig schöne Note verlieh. Hier wurde der Begriff „Show“ zu einer wahren Kunstform erhoben.
Der Tag endete mit einem emotionalen Kracher. Heaven Shall Burn, die Metalcore-Legenden, zerschmetterten die Rock Stage. Zwar musste Sänger Marcus B. gesundheitlich passen, doch die Vertretung in Form von Britta Görtz, Sängerin von Critical Mess und Hiraes, war mehr als fähig. Die Menge tobte, als die Band mit ihrer energiegeladenen Performance das Infield regelrecht abfackelte. Ihre Power war beeindruckend und überrollte die Menge die ihrerseits tobte und Acker umwälzte. Der Tag endete zwar mit Nachtblut und Non Est Deus, aber die wahre Essenz des Tages hatte man bereits mitgenommen.
Grabenliebe, Metal-Messe & Seelenbeben – Der Rockharz-Freitag im Ausnahmezustand.
„Wenn du denkst, du bist wach, warte, bis die Sonne dich röstet.“ So oder so ähnlich hätte das Motto des dritten Rockharz-Tages lauten können. Denn Frau Sonne meinte es wirklich gut oder besser gesagt, sie war gnadenlos. Die Wetter-App versprach zwar mildere Temperaturen, doch die Realität präsentierte sich als glühender Backofen mit Festivalflair. Die Luft flimmerte, die Haut brutzelte und selbst die Teufelsmauer schien zu schwitzen. Doch was macht der Rockharzer? Er feiert. Mit Herz, mit Staub, mit jeder Menge Energie.
Der Morgen begann mit einem schelmischen Funkeln in den Augen und koboldhafter Vorfreude auf das, was sich im Pressebereich formierte. Unsere legendären Grabenschlampen zelebrieren den Hawaiihemd-Freitag schon seit Jahren mit Stil, doch diesmal überraschten auch die Fotografen mit farbenfrohem, tropischem Textil. Unter begeistertem Klatschen, ausgelassenen Rufen und herzhaftem Gelächter setzte sich die bunte Truppe in Bewegung auf den Weg zum ersten Fotoeinsatz des Tages. Vorbei an den ersten Besuchern des Infields in Richtung der verdutzt dreinblickenden Grabencrew, deren Verwunderung sich rasch in strahlende Freude verwandelte. Rockharz-Magie eben.
Musikalisch startete der Tag mit Seasons in Black und Arctis, bevor Defects den Nachmittag mit einem energiegeladenen Set einläuteten. Die Mischung aus brachialem Gitarrensound und melodischen Gesangslinien ließ die Menge mitreißen. „Dream Awake“ ließ kurz träumen, bevor der Sänger die erste Reihe abklatschte, die Menge endgültig in seinen Bann zog und zum kollektiven Sitdown vor der Bühne aufforderte.
Harpyie rissen mit düsteren Rhythmen und epischen Melodien die Menge vom ersten Song an mit. Circle Pit? Check. Tanzende Metalheads? Check. Und spätestens bei „Wenn ich tot bin, dann sollst du tanzen“ wurde klar, Harpyie sind mehr als Spaß, sie sind Herz, Rhythmus und Festivalfreude pur. Anschließend entpuppte sich die zierliche Sängerin von Aephanemer als stimmgewaltige Hexe, deren Growl selbst die Teufelsmauer erzittern ließ. Ihr melodischer Death Metal mit symphonischem Einschlag war ein Geheimtipp, der mehr Publikum verdient hätte. Aber die, die da waren, wurden mit einem intensiven, atmosphärischen Set belohnt.
Mit Spielfreude, Energie und fliegenden Haaren lieferten Deserted Fear wie gewohnt ab und hielten die Menge mühelos in Bewegung. Fabian Hildebrand verdient allein für seine Gitarrenarbeit mit Rapunzel-Mähne eine eigene Auszeichnung. Wenn „Tempo“ die einzige Disziplin wäre, hätten Vader längst die Goldmedaille in der Tasche. Ohne Umwege, ohne Gnade, pure Aggression, wie ein Faustschlag in die Magengrube. Ihr thrashiger Sound raste in einem Tempo über die Bühne, dass einem das Trommelfell förmlich aus dem Schädel schraubte.
Ganz anders Draconian. Sie schufen mit ihrem melancholischen Doom-Gothic-Metal eine hypnotische Klangwelt, die zum Eintauchen einlud. Zwar kämpften Atmosphäre und Sonnenstrahlen miteinander, doch wer sich der Musik hingab, erlebte einen Moment zwischen Melancholie und Magie.
Was sich zunächst mit einem verspielten Elektro-Intro wie ein akustischer Irrläufer anfühlte, verwandelte sich innerhalb von Sekunden in ein regelrechtes Inferno aus Energie und Metalcore. Any Given Day entfesselten mit ihrer Mischung aus krachenden Riffs, rhythmischem Growl und melodischen Vocals eine Dynamik, die das Publikum direkt mitriss. Fronter Dennis Diehl tanzte wie ein Sturm über die Bühne, als würden er das Festival selbst dirigieren. Circle Pits rotierten, bei „Unbreakable“ zerriss eine Wall of Death die Reihen, Crowdsurfer ritten die Wellen und Pyro-Effekte heizten das Gelände zusätzlich auf. Die Rockharz-Ersttäter haben nicht nur abgeliefert, sie haben das Festival wie eine Naturgewalt gestürmt.
Wenn es eine Band gab, die das Rockharz-Publikum gleichermaßen zum Lachen, Staunen und Kopfschütteln brachte, dann waren es Die Kassierer. Mit punkigem Irrsinn, trashigem Humor, nackten Tatsachen und jeder Menge Provokation lieferten sie eine Show, die irgendwo zwischen Kult und Wahnsinn balancierte. Ob man’s feierte oder nicht, man spricht darüber.
Anschließend entfachten Overkill bei glühender Hitze ein echtes Oldschool-Thrash-Metal-Brett, das mit kreischenden Gitarren, aggressivem Gesang und unbändiger Energie die Bühne dominierte. Bobby „Blitz“ Ellsworth brüllte sich in Höchstform, wütend, schnell und kompromisslos. Gloryhammer lieferten eine galaktische Festival-Explosion voller Fantasie, Glitzer und einem ausgefeilten Grabenschlampenfitnessprogramm. Mit bombastischem Power Metal, spacigen Outfits und einer Show, die irgendwo zwischen Ritterepos und Sci-Fi angesiedelt war, ließen sie die Bühne förmlich explodieren. Hymnen wie „Land of Unicorn“ und „Universe on Fire“ entfesselten einen Dino-Moshpit und ließen Crowdsurfer sowie Einhörner über die Menge fliegen.
Szenenwechsel. Von Efeu umrankt und in theatralischem Licht gehüllt, entfachten Cradle of Filth ein finsteres Klanggewitter. Opernhafte Keys trafen auf eruptive Doublebass, während Dani Filth wie ein düsterer Erzähler durch musikalische Schattenlandschaften führte. „Nymphetamine“ löste Gänsehautwellen aus und ließ die Menge kollektiv in eine Welt aus Dunkelheit und Drama eintauchen. So intensiv, dass sogar die Sonne freiwillig unterging. Nach der wuchtigen Performance von Cradle of Filth wirkte der Sound von Mono Inc. zunächst kraftlos, der Gesang monoton. Trotz allem herrschte besonders bei „Lieb mich“ und „Voices of Doom“ Festivalstimmung und das Drumcover von „Pirates of the Caribbean“ verlieh der Show ein versöhnliches Finale.
Es folgte das metallische Glaubensbekenntnis. Powerwolf zelebrierten eine feurig, fulminante Heavy-Metal-Messe, bei der des Teufelchens Hintern qualmte und des Brockenhexleins Besen in Flammen stand. Die Jünger beteten stimmgewaltig zu Hymnen wie „Army of the Night“, „Stoßgebet“ und „Sainted by the Storm“ und verwandelten das Infield in einen brodelnden Hexenkessel, welcher mit einem finalen Feuerwerk explodierte.
Sólstafir entfalteten zum Abschluss des Abends eine melancholische Klanglandschaft. Ihr isländischer Weltschmerz riss die Besucher in einen tranceähnlichen Zustand, der nicht nur die Seele, sondern auch den Körper berührte. „Náttmál“, „Fjara“ oder „Ótta“, der Sound war kraftvoll, laut und intensiv. Und der Sänger? Ein echter Meister seines Fachs, der den letzten Song in inniger Nähe zur ersten Reihe performte. Ein persönliches musikalisches Highlight, das man nur schwer in Worte fassen kann. Mehr Gefühl passt kaum in einen Festivalabend.
Rock, Liebe und eine Prise Unvorhersehbarkeit – der emotionale Rockharz-Samstag.
Wer hat an der Uhr gedreht, war wirklich schon Samstag? Der letzte Festivaltag rollte heran, doch statt Tränen zu verdrücken, wurden die Stiefel noch einmal fest geschnürt. Der Tag entpuppte sich als finaler Höhenflug durch die Welt des Metal, ein Tag voller Musik und magischer Momente, die direkt ins Herz gingen.
Einmal mehr zeigte sich eindrucksvoll, Festivals leben nicht nur von Bass und Blastbeats, sondern vor allem von den Menschen, den Geschichten und der gemeinsamen Leidenschaft, die alles miteinander verbindet. Ob Gänsehaut am Wipfel der Teufelsmauer oder Freudentränen beim überraschendsten Moment des Wochenendes, es wurde gefeiert, was das Rockharz so einzigartig macht.
Doch eins nach dem anderen: Während sich die erste Reihe mit feierhungriger Entschlossenheit füllte, rissen Velvet Rush mit energiegeladenem Sound selbst die letzten müden Geister aus dem Schlaf. Direkt im Anschluss übernahmen Frozen Crown die Dark Stage. Giada „Jade“ Etro ließ mit ihrer kraftvollen Stimme die Bühne beben, während Gitarren-Neuzugang Aleksandra Lioness mit virtuosem Spiel und charismatischem Auftreten das Publikum im Sturm eroberte. Schließlich setzte ROBSE noch einen drauf und entfachte einen musikalischen Sturm aus melodischem Pagan Metal, getränkt mit Erinnerungen an Equilibrium-Zeiten. Spätestens beim doppelt gezündeten Circle Pit zu „Karawane“ und „Met“ war klar, hier wurde Leidenschaft zelebriert.
Mit ihrer unverkennbaren Mischung aus groovigem Hardcore-Punk und charmant holprigem Deutsch brachten Bokassa aus Trondheim frischen Wind auf die Bühne. Die sympathischen Norweger lieferten eine Show voller Energie, Humor und Bühnenpräsenz, während die ersten Moshpits brodelten und die Stimmung kochte. Doch kaum war der letzte Akkord verklungen, traten Pro-Pain aufs Gas. Brachiale Crossover-Hardcore, wummernde Gitarrenwände und Growls wie Presslufthämmer versetzten das Infield in kollektiven Ausnahmezustand. Ein musikalischer Abriss, der bewies, dass Erfahrung keineswegs altersmilde macht. Im Gegenteil, hier wurde mit voller Wucht geliefert.
Grand Magus kredenzten eine kraftvolle Hommage an klassischen Heavy Metal, schnörkellos, leidenschaftlich und mit magischer Bühnenpräsenz. Ohne große Showeffekte, dafür mit hymnenhaften Songs, fesselten sie ihr Publikum bis über das Set hinaus, das mit dem legendären „Ohhhhohhhooooo“-Gesang nachhallte wie ein Echo aus den 80ern.
Mit opulenter Bühnenoptik und eingängigen Hymnen entführten Visions of Atlantis ihr Publikum in eine Welt aus Symphonic Metal und Piratenromantik. Der Sound erinnerte an Nightwish, besaß aber zugleich einen eigenen dramatischen Zauber, der zum Mitsingen und Träumen einlud. Dank der charismatischen Stimmen von Clémentine Delauney und Michele Guaitoli und der mitreißender Performance wirkte die Show wie ein musikalisches Abenteuer auf hoher See. Danach beschworen Avatarium mit ihrem Doom Metal eine düstere, fesselnde Soundkulisse, die durch klare Gesangslinien und kraftvolle Riffs getragen wurde. Trotz kleinerem Publikum war ihre Präsenz stark und besonders die Ballade „Moonhorse“ hinterließ einen bleibenden, beinahe träumerischen Nachklang.
Aber nun, Schluss mit Träumen. Combichrist zerschmetterten mit brachialem Industrial Metal der Extraklasse jegliche romantischen Anflüge. Die Mischung aus EBM, Techno und Metal peitschte die Bässe durch die Luft, vibrierte bis tief in die Eingeweide und lieferte ein musikalisches Fitnessprogramm mit Aggro-Attitüde. Die Menge tanzte nicht wie typische
Headbanger, sondern als elektrisierte Metalheads, die den Beat körperlich spürten. Und als sich die letzte Druckwelle legte, übernahm Frog Leap. Die Covermeister verwandelten Popklassiker in mitreißende Metal-Versionen, bei denen man einfach mitsingen musste. „Ghostbusters“, Toto´s „Africa“ oder „Zombie“ ließen die Crowd jubeln. Aber der wahre Star des Sets war der Hase, der als Crowdsurfer die Herzen der Fans eroberte. Bunny gone wild.
Apropos herzerwärmend, mit stolzen 96 Jahren war Oma Edelgard der unbestrittene Star des Festivals. Auch wenn ihre geliebte Band Amon Amarth in diesem Jahr nicht auf der Bühne stand, ließ sie es sich nicht nehmen das Festival zu rocken. Ihr Motto „Metal ist Medizin“ lebte sie bei jedem Schritt und ihre Anwesenheit war ein lebendiger Beweis dafür, dass die Liebe zum Metal keine Altersgrenzen kennt. Besonders nach der Sorge im letzten Jahr, als sie fehlte, freuten sich alle umso mehr, sie dieses Mal wieder an ihrer Seite zu wissen
Musikalisch waren erneut Freibeuter unterwegs, Mr. Hurley & Die Pulveraffen machten das Infield zur schunkelnden Planke. Mit „Tortuga“, „Leuchtturm“ und „Blau wie das Meer“ wurde die Menge zum Mitsing-Mob, Crowdsurfer flogen tief wie Möwen im Orkan, während unsere Grabenschlampen dem Wellengang mit intensivem Körpereinsatz begegneten.
Es folgte ein düsterer Ritt durch die norwegische Finsternis. Abbath erschien wie ein personifizierter Sonnenuntergang in Leder und Corpsepaint. Aus den Boxen kroch ein musikalischer Exorzismus, getragen von finsteren Gitarrenriffs. Das Immortal-Set war so hypnotisch, dass selbst der Teufel kurz innehielt. Das Publikum? Im kollektiven Trancezustand, nicht zum Mitsingen, sondern zum Versinken in einer tiefen, kalten Atmosphäre. Kaum hatte Abbath die Dunkelheit entfaltet, fegten Dragonforce sie mit 400 BPM und einer Power-Metal-Breitseite hinweg. Episch wie ein Drachenkampf, mit Gitarrenläufen so schnell, dass man die Saiten quietschen hörte, bevor sie angeschlagen wurden. Und mittendrin das ikonische Plüschhuhn, verschwunden, aber unvergessen.
ASP verabschiedeten sich mit einem Auftritt, der von Beginn an fesselte. Ihr düster-romantischer Goth-Rock mit tiefgründigen Texten und eingängigen Melodien war genau das, was nach den brachialen Klangwellen zuvor gebraucht wurde. Als das Abendrot glühte und der Ausruf „Ich bin ein wahrer Satan“ erklang, entstand ein magischer Gänsehautmoment. Pyros, Poesie und Klang verschmolzen zu einem letzten musikalischen Hochgefühl.
Gerade noch mit ASP gemeinsam abgebrannt (ja, wir haben gebrannt!) und schon schlich der Abschied in Form von Thorsten „Buddy“ Kohlrauschs Dankesrede heran, unaufhaltsam, wie der letzte Akkord eines Rockhits. Flankiert von einem Teil der riesigen Rockharz-Crew ließ er das Festival in einer bewegenden Rede Revue passieren. Das erste Mal gab es eine offizielle Außenstelle des Standesamtes Ballenstedt, die tatsächlich acht Paare ins Eheglück führte. Zum Abschluss bat Buddy die Crowd, kollektiv Herzchen zu zeigen, ein Moment der gemeinsamen Freude, doch der wahre Höhepunkt war noch nicht erreicht.
Dann wurde es still. Buddy schaute seiner langjährigen Freundin und Mitstreiterin Dani, tief in die Augen und ging auf die Knie. Vor dem gesamten Publikum! Ein Heiratsantrag, direkt nach dem letzten Gitarrenriff. Und sie? Natürlich hat sie Ja gesagt! Die Menge tobte, die Luft vibrierte vor Emotion und im Moment, als die beiden sich in den Armen hielten, war es klar: Das war der wahre Höhepunkt des Festivals. Rock, Liebe und pure Magie.
Nach diesem emotionalen Highlight wurde es nochmal feurig. In Extremo zogen alle Register und verwandelten das Festivalgelände in ein Mittelalter-Metal-Inferno aus Feuer, Dudelsäcken und Gänsehaut. Noch einmal tobte das Infield während der Acker vor mitreißender Energie brannte. Tragedy bildeten anschließend den krönenden Abschied mit Spaßfaktor. Laut, schrill, glamourös und herrlich selbstironisch. Ihre Glam-Metal-Versionen bekannter Pop-Hits waren wie ein glitzernder Konfettiregen zum Festivalfinale, so wild, so bunt und absolut unvergesslich.
Was bleibt noch zu sagen? Die Tage rauschten schneller durch die Ohren, als so manche Gitarrenriffs. Wie immer war das Rockharz eine Mischung aus knallharter Musik, unbändiger Festivalfreude und ganz viel Herz. Unser innigster Dank geht an das Orga-Team, das nicht nur ein Line-Up der Extraklasse auf die Beine stellte, sondern sich auch konsequent den Themen Inklusion und Teilhabe widmet. Ob Pfandspenden für den guten Zweck, barrierefreie Wege oder die neue ROCKHARZ Kompass-App die nicht nur von sehbehinderten Fans begeistert aufgenommen wurde. Man spürt, wie viel Liebe in jedem Detail steckt. Da wird nicht nur gefeiert, sondern auch mitgedacht. Und das berührt.
Danke auch an die Securitys und unsere alles stemmenden Grabenschlampen, die jederzeit die Sicherheit aller im Blick hatten, der Happy Hands Crew die mit magischen Händen den verhärteten Muskeln an den Kragen gingen und natürlich die verrückte Fotofamilie. Aber auch dem friedlich feiernden Publikum, welches gerade auch bei der vorherrschenden Brandgefahr Vorsicht im Umgang beim Grillen und Rauchen hat walten lassen.
Mit jedem Sonnenuntergang, jedem Crowdsurf unter Sternen und jeder emotionalen Begegnung, das Rockharz ist mehr als Musik, es ist ein gemeinsames Erleben, ein Gefühl von Familie und Verbundenheit. Ein Ort, an dem Metal lebt, Inklusion wächst und Magie nicht erklärt, sondern gefühlt wird.
Vom 03. bis 06. Juli 2026 heißt es wieder „See you at the devils wall“. Dann, wenn der Teufel die Crowd befeuert und die Hexchen vom Brocken herabsteigen um den Moshpit zu stürmen. Erste Bands sind bereits bekannt und der Ticketverkauf für das kommende Jahr ist noch früher als im vergangenen Jahr in den „Sold out“ gegangen. Die Vorfreude ist real. Die Magie bleibt.
Text in Zusammenarbeit mit Helga Königshügel und Diana Engelmann
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