[a]live: promotion » » Wenn der Kurpark träumt

Wenn der Kurpark träumt

Kleines Fest im Großen Kurpark25 Jahre Kleines Fest in Bad Pyrmont – Ein Abend zwischen Zauber, Wahnwitz und Omas Frikadellen-Erbe

24.07.2026 [sh] Noch bevor Bad Pyrmont überhaupt erreicht war, begann dieser Abend seine erste Geschichte zu erzählen.

Im Zug ab Hannover herrschte keine gewöhnliche Freitagsstimmung. Zwischen Rucksäcken und Picknickkörben balancierten Bollerwagen durch die Gänge, Programmhefte wanderten von Hand zu Hand und immer wieder fiel ein vielsagendes: „Den musst du unbedingt sehen.“ Fremde kamen ins Gespräch, teilten ihre Erinnerungen an vergangene Lachtränen und stimmten sich ein. Es war, als würde der Abend seine Besucher schon auf der Schiene liebevoll an die Hand nehmen. .

Kaum öffnete sich das Tor zum Kurpark, blieb der Alltag draußen. Statt Hektik empfing die Gäste das sanfte Rascheln uralter Bäume, das Lachen spielender Kinder und der Duft von allerlei Köstlichkeiten. Auf den Wiesen entstanden kleine Inseln des Miteinanders. Familien breiteten Decken aus, Freunde stießen auf den Abend an, und Fremde kamen ins Gespräch. Es wirkte, als hätte der Park beschlossen, für einen Abend das Wohnzimmer einer ganzen Stadt zu sein.

Herr Böhlmann und eine internationale Auswahl an Künstlern bereiteten den Besuchern einen herzlichen Empfang und stießen gemeinsam auf ein Vierteljahrhundert voller Magie an. Ein passender Auftakt für einen Abend, an dem hinter jeder Wegbiegung eine neue Überraschung wartete.

Das Besondere am Kleinen Fest? Die Kunst wartet nicht auf ihr Publikum, sie begegnet ihm. Wer durch die Alleen schlenderte, traute seinen Augen kaum. Riesige Windpferde glitten beinahe schwerelos und wie vom Wind getragen durch die Baumkronen. Ihr leises Schnauben und sphärische Klänge verwandelten den Park in eine märchenhafte Kulisse. Nur wenige Schritte weiter schuf das Duo Bubble On Circus schillernde Wunder, als zwei mystische Kreaturen Millionen von Seifenblasen in die goldene Abendsonne entließen. Kinder jagten ihnen jauchzend hinterher, während Erwachsene innehielten und den Kopf in den Nacken legten.

Überall passierten kleine Wunder. Plötzlich begegnete man den Königinnen der Wildkräuter: Tausendschön, Pusteblume und natürlich der allgegenwärtige Giersch spazierten mit königlicher Selbstverständlichkeit umher und schafften das beinahe Unmögliche, indem sie selbst aus ungeliebtem Unkraut echte Sympathieträger machten. Die geheimnisvollen Jøttnjøl sammelten derweil mit unermesslicher Neugier kleine Schätze des Alltags, eine getrocknete Blume oder einen Stein, und ließen spüren, wie wertvoll die unscheinbaren Dinge sind.

Wer sich auf einer Bank ausruhen wollte, machte vielleicht Bekanntschaft mit der Lebenden Couch, die sich flüsternd in jeden Klönschnack einmischte. Ganz ohne Worte wirkte dagegen Frans Custers, der kleine Clown mit Hut und Koffer, dessen zerbrechlicher Blick genügte, um eine stille, berührende Verbindung zum Publikum zu schaffen. Doch wer nicht aufpasste, dem sprangen riesige Nager vor die Füße – eine vergnügte Hommage an den Rattenfänger von Hameln. Für den ganz normalen Wahnsinn sorgten auch Waltraud, Wilma, Berta & Bellmondo. Drei rüstige Damen, deren frecher Dackelmischling nicht nur reihenweise Artgenossen aus dem Konzept brachte, sondern vor allem den Kindern ein strahlendes Lächeln ins Gesicht zauberte.

Zwischen den Bäumen lagen die Bühnen wie kleine Lichtungen voller Geschichten. Dort nahm Timo Wopp das Publikum auf eine rasante Gedankenreise durch die Absurditäten unserer Zeit mit. In perfektem „Apnoe-Reden“ jagte er die Menge durch einen wahnwitzigen Parcours. Von der Kaufkraft der D-Mark (als man für die Hälfte noch doppelt so viel kaufen konnte) über den tückischen Körperzustand „Skinny Fat“ bis hin zu Auftritten im Alten Land, das dank des weißhaarigen Publikums humorvoll als Baumwollplantage betitelt wurde.

Ganz andere Töne schlug Werner Momsen an. Der norddeutsche Klappmaulrentner erzählte vom Älterwerden, von Geburtstagen und Familienfeiern, von Omas legendären Frikadellen und den kleinen Wehwehchen des Lebens. Seine Pointen waren trocken wie eine steife Brise an der Küste und gleichzeitig voller Wärme. Jeder erkannte einen Vater, eine Großmutter oder vielleicht sich selbst wieder. Zwischen den Lachern lag immer auch ein leiser Gedanke daran, wie schnell die Zeit vergeht und wie schön es ist, gemeinsam darüber schmunzeln zu können.

Noch eine Spur absurder wurde es bei Martin Sierp. Als liebenswerter Vampir und Fürst der Finsternis erklärte er schonungslos, warum man mit Klebeband am Ohr alles leiser hört, wieso ein Substantiv in Garbsen ein großgeschriebenes Hauptwort ist und warum Heike unfreiwillig fusselt. Als er schließlich einen DJ-Ötzi-Hit in eine Friedhofs-Hymne umwandelte („Einen Stein, der deinen Namen trägt…“), gab es kein Halten mehr. Mit familiärer Wärme umarmte hingegen Heinrich del Core seine Zuhörer. Als eine Mischung aus Italiener und Rottweiler berichtete er feinsinnig von seinem Vater, der drei Wochen Urlaub grundsätzlich mit drei Wochen Krankheit paarte, und ließ das Publikum an seinen Erlebnissen als frischgebackener Großvater teilhaben.

Ganz anders, aber mindestens genauso komisch präsentierte sich Strange Comedy. Shelly Mia Kastner und Jason McPherson verkörperten zwei hoffnungslos glücklose Varietékünstler, bei denen wirklich alles schiefging, was schiefgehen konnte. Sicherheitsanweisungen im Flugzeug wurden zur Slapsticknummer, Zaubertricks entwickelten ein Eigenleben, und akrobatische Höchstleistungen endeten regelmäßig in herrlich absurden Katastrophen.

Tony Fratello suchte auf der Wiese nach dem Lachen und fand es rasend schnell: Mit Akkordeon, Jonglage und purer Spontaneität machte er aus Zuschauern begeisterte Mitspieler. Genauso hochkarätig war das Unicycle Circus Theatre von Witty Look, die preisgekrönte Einrad-Artistik mit herrlichem Humor verknüpften.

Jens Ohle bewies derweil eindrucksvoll, dass er nicht nur die achtsprossige Artistenleiter meistert, sondern auch die größte Schnauze nördlich des Rheins besitzt. Fünf Bälle und ein Mann reichten für brillante Unterhaltung aus. Das Trio Satchock widmete sich mit unbändiger Spielfreude dem Sisyphus-Mythos und zeigte charmant, dass das Ringen um das Scheinwerferlicht oft komischer ist als das fertige Kunststück selbst. Murzarella verblüffte mit der seltenen Kunst des Bauchgesangs und ließ ihre Puppen live und stimmgewaltig brillieren, während Ernesto Lucas mit nur einem Stift und schwindelerregender Geschwindigkeit herzergreifende Fantasiewelten auf die Leinwand zauberte.

Fast unbemerkt mischte sich ein anderer Duft darunter. Kardamom, Minze, frisch gebrühter Mokka. Vor den gelb-weißen Zelten der Moccamaker schien die Zeit langsamer zu laufen. Der Samowar dampfte leise vor sich hin, jemand gönnte sich eine Tasse Tee, andere saßen einfach nur da und beobachteten das bunte Treiben. Es war einer jener Orte, an denen man eigentlich nur kurz verweilen wollte und plötzlich eine halbe Stunde geblieben war.

Als die Dämmerung den Kurpark in ihr sanftes, schattiges Gewand hüllte und die ersten Lampions wie leuchtende Blüten erwachten, wandelte sich die Welt. Die Stimmen wurden leiser, das Licht verträumter und für einen kurzen Herzschlag schien die Zeit selbst den Atem anzuhalten. In dieser verzauberten Stille entfaltete Upside Down Acro ihr atemberaubendes Feuerspektakel. Ein berauschender Reigen aus tanzenden Funken, flammenden Schwingen und eleganter Akrobatik, der den Park in ein Meer aus warmem, loderndem Glanz tauchte.
Später versammelten sich alle noch einmal auf der großen Wiese, wo Herr Böhlmann in dankbarer Verbundenheit auf ein Vierteljahrhundert voller Zauber beim Kleinen Fest im Bad Pyrmonter Kurpark zurückblickte. Schließlich zerriss das große Jubiläumsfeuerwerk die Dunkelheit und spiegelte sich in Tausenden staunenden Gesichtern, eingehüllt in Wärme, Licht und die tiefe Gewissheit, Zeuge eines unvergesslichen Augenblicks gewesen zu sein.

Wenn am Ende des Abends die Wege sich wieder trennen und der Kurpark langsam zur Ruhe kommt, bleibt mehr als nur die Erinnerung an ein gelungenes Jubiläum. Dann leuchtet in jedem Schritt nach Hause ein Stück von diesem Zauber nach. Das warme Gefühl, für ein paar Stunden Teil einer Welt gewesen zu sein, in der Fantasie und Verbundenheit ganz selbstverständlich sind.

Denn genau das ist das Geheimnis von 25 Jahren Kleines Fest im Großen Kurpark. Es braucht keine großen Sensationen, um Großes zu bewirken. Es sind die kleinen Wunder am Wegesrand, die gemeinsamen Lacher mit Fremden und die lauen Sommerabende, die uns daran erinnern, wie leicht das Leben sein kann. Ein Vierteljahrhundert voller Magie zeigt uns aufs Neue, dass die schönsten Augenblicke oft die unscheinbarsten sind und dass das Fest längst keine bloße Veranstaltung mehr ist, sondern ein Gefühl, das bleibt.

zur Galerie


Setze doch einen Trackback auf deine Seite.


Benutzerdefinierte Suche