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Christmas Metal Festival – Tag II

02-Arch03Übermächtiges Death Metal Meeting in Geiselwind

10.12.2011 [sg] Nachdem BLIND GUARDIAN ihren Auftritt ca. 1:15 Uhr beendeten, und man das großartige Geschehen gedanklich sicher noch einmal Revue passieren ließ, war es für die meisten wohl eine recht kurze Nacht. Denn der zweite Tag des CHRISTMAS METAL FESTIVAL begann bereits 9:45 Uhr. Wer keine Band verpassen und von Anfang an wieder dabei sein wollte, war auf jeden Fall auf einen Wecker angewiesen. Natürlich hatten wir keine Scheu, einen solchen zu benutzen, so dass wir pünktlich, voller Freude, 9:45 Uhr am Einlass standen. Seit dem Vortag waren wir dort schon bekannt wie ein bunter Hund, weshalb wir von der Security mit einem deftigen Lächeln begrüßt und reingewunken wurden.

Ohne große Vorreden stiegen DEFUSE MY HATE in die Eisen und eröffneten so den „Death Metal Tag“. Harte Riffs gepaart mit Metalcore Einflüssen prägen ihre Musik. Doch so hart wie ihre Riffs sind, war auch das Los, was sie als Opener zogen. Waren am Vorabend noch einige Tausend Leute in der Eventhalle zu sehen, sichtete man jetzt gerade mal gut geschätzte 30 Mann. Offensichtlich war vielen der Schlaf dann doch etwas wichtiger. Auch die Angestellten an Bars, Verkaufsständen, Sound -und Lichttechnik schienen noch nicht ganz ausgeschlafen. Denn teilweise standen noch Stühle auf den Tischen und die Leute von der Technik saßen noch recht müde mit dem ersten Kaffe hinter ihren Pulten, was man auf der Bühne deutlich merkte. Sehr zum Bedauern von den 2008 gegründeten DEFUSE MY HATE, die sich trotz dieser Defizite alle Mühe gaben. Ganz ähnlich sah es auch bei ABSORB aus. Doch viel interessanter sieht die Biografie der bayrischen Death Metal Combo aus. Denn gegründet haben sie sich 1989. Die Frage ist, warum man bisher noch nicht viel von ihnen gehört hat?! Weil sie erst 2010 ihr Debütalbum veröffentlichten. Musikalisch ging es hier in die klassische DM-Richtung. Besonderer Blickfang war der Drummer, der eine recht brachiale Erscheinung hat, weshalb sein Schlagzeug wie ein Mickey Maus Drumset wirkte – sehr amüsant anzusehen. Aber generell wird hier die Professionalität etwas zurückgestellt und stattdessen Spaß großgeschrieben. Das machte sich auch im Publikum bemerkbar, alsbald konnte man schon die ersten Headbanger entdecken.

Mit JUSTICE hatte man den ersten „Animierer“ für heute verpflichten können. Erster Blickfang hier, waren eindeutig die Bärte: bb es nun Bassist „Wolfi“ mit einem leuchtend rot gefärbten Kinnbart oder Sänger „Mitch“s langer gezopfter Bart war. Auch in der Vergangenheit der Band findet man Bilder, die fragwürdig aussehende Bärte aufweisen. Dementsprechend unterhaltsam kamen die ebenfalls 1989 gegründeten Bayern rüber. Wie bereits erwähnt leisteten sie mit ihrem Thrash Metal auf der Bühne gute Animationsarbeit, doch wollte diese im Publikum nicht so recht zünden. Ursprünglich hätten nun DAWN OF DESEASE spielen müssen. Doch nach deren Absage sprangen LOST DREAMS ein. Diese Band war nicht nur die nächste, sondern auch die erste der „Hatefest Tour“, welche durch das Christmas Metal Festival verlief. Hervorstechend bei dieser österreichischen Truppe sind die überaus dynamischen und variantenreichen Screams und Growls. Mit groovigen bis hypnotischen Riffs schieben sie ihre Musik ordentlich nach vorne und geben mit gezielten Headbangparts ihren Melodic Death Metal zum Besten. Aber trotz musikalischer Vielfältigkeit schienen die Leute weg zubleiben. Ganz im Gegenteil – das Publikum, was ohnehin schon gering war, nahm sogar noch ab. Sehr schade!

Nun wurde Abwechslung großgeschrieben – mit AZARATH. Diese polnische Black Death Metal Combo, die in der Vergangenheit bereits mit Dimmu Borgir Drummer „Daray“ zusammen arbeitete, bietet dem Hörer rasierklingenscharfe Gitarren, harmonierend mit einem ausgeprägten Übergeschwindigkeits-Schlagwerk. Aktuell am Drumset ist kein geringerer als „Inferno“ von Behemoth. Am Anfang des Auftritts konnte man dem Gitarrengeschruppe nicht viel entnehmen, doch später entpuppten sich die Gitarristen ebenfalls als überschnelle Künstler am Instrument. Natürlich steht mit ihrem satanischen Black Metal, gepaart mit Old School Death Metal, die Brutalität deutlich im Vordergrund, weshalb der kranke Blick von Frontmann „Necrosodom“ authentisch rüber kam. Viel blieb bei dieser Musik sicher nicht hängen, aber mit den genannten Details in Sachen Geschwindigkeit und Wucht, steht das wahrscheinlich sowieso nicht zur Debatte.

Hieß es eben noch „horns up“, ging es nun zu einer Slayer-like-Truppe aus Kalifornien. WARBRINGER waren die ersten des Tages denen es gelang, die Halle allmählich zu füllen. Sie präsentieren Death Metal der alten Schule. Und wahrlich – WARBRINGER sind nicht nur Kriegsübermittler, sondern auch eine Kriegsmaschinerie. Schnelle „uffta uffta“ Takte und ebenso zügige Soli Passagen sind die Markenzeichen dieser Band und sorgten für ordentlich Stimmung im Publikum. Von nun an war die erste Reihe auch wieder von Headbangern bevölkert. Mit der für Kalifornier typischen Mentalität, ihrer ausdrucksstarken Gestik und den richtigen Sprüchen zwischendurch, konnten sie punkten und wurden augenmerklich zum Publikumsliebling. Eine noch recht junge Band, aber umso beeindruckender ist die für ihr Alter gutes Spielgeschick, welches sich von Song zu Song immer mehr an Slayer heranpirscht. Von satanistischer Black Metal Front, über thrashiges 80er Jahre Gebolze, ging es nun zur Sparte des Death Grindcore. Mit ihrer Maskerade, in Form von Ziegenköpfen, erinnern MILKING THE GOATMACHINE etwas an Slipknot. Sehr lustig ging es hier zu, denn wenn die vier Maskierten anfangen über die Bühne zu springen und zu headbangen, treibt es vielen das Grinsen ins Gesicht. Mit einigen Features punkteten die 2008 gegründeten MTGM. So scheute man nicht, Wasserbälle, Gummischlagstöcke und Luftgitarren mit ins Spiel zu bringen und sie in die Menge zu werfen. Außerdem hatten sie bei dem Song „Uncle Wolf“ einen in Wolfskostüm gehüllten Gast dabei. Fehlen durfte natürlich auch nicht eine affenartig aussehende Gestalt mit einer Kermitmütze. Mit den typischen Wechseln zwischen schweren, langsamen Takten und schnellen Blastbeats ging es gut zur Sache. Zu diesem Zeitpunkt war die Halle wieder gut voll, und lange dauerte es nicht, bis MTGM heftige Pogoattacks im Publikum hervorriefen.

Nachdem die Grindcorer die Bühne verließen, ertönten sofort hymnische, aber dramatische Synths. Die ganze Umbaupause über liefen diese, um die Leute auf MARDUK vorzubereiten. Als dann alle Lichter erloschen und die Scheinwerfer auf der Bühne die schwarzen Banner erhellten, ging es mit stampfender Gewalt los und die schwedischen Panzer-Black-Metaller waren sichtlich bereit, die Eventhalle in Geiselwind kanonenschlagartig zu zerfetzen. Denn genau auf diese Art und Weise wirkte der Auftritt von MARDUK. Mit eingespielten Samples von MGs, rollender Panzer und weiterer Kriegsgeräuschkulisse füllten sie die Pausen zwischen den Songs und unterstützten den bisher gewonnenen Eindruck. Eine sehr beeindruckende Präsenz legten die Schweden an den Tag. Doch seltsamerweise entstanden im Publikum große Lücken. Zwar waren die ersten Reihen immer noch gefüllt, aber mehr als ein Kopfnicken war bei den Zuschauern nicht drin. Ein toller Auftritt zog also an einem eher regungslosen Publikum vorbei.

Nach der übermächtigen Darbietung MARDUKs, stellte sich dann doch die Frage, warum die Menschen fort gingen und auf was sie warteten?! Mit EQUILIBRIUM schien sich diese Frage schnell erübrigt zu haben. Völlig unerwartet sammelten sich die Scharen vor der Bühne, denn die bayrische Epic/Viking Formation stach aus dem überwiegend deathhaltigen Billing heraus. Zu Beginn hatten EQUILIBRIUM starke technische Probleme, wodurch sie im Zeitplan leicht in Verzug gerieten. Für das Publikum war das aber kein Thema, denn das Warten wurde mit Songs wie „Der Sturm“, „Unbesiegt“, „Met“ und „Wingthors Hammer“ entlohnt. Freudige Stimmung wurde nun verbreitet – ganz dem Tagesmotto entgegen. Aber es kam gut an, besonders beim jüngeren Metalvolk. Im Vergleich zu den Vorgängerbands rückt hier die Gitarrenarbeit weit in den Hintergrund. Eine große Rolle spielen hier immer noch die Synths und Keys, welche nach wie vor in Form von Samples live hinzugemischt werden. Sänger „Robse“ animierte gut und heizte ein, auf das sich die Publikumsrate vor der Bühne so halten möge.

Doch weit gefehlt – bei CALIBAN gab es die Menschenmenge, abermals, in abgeschwächter Form. Auch hier gab es an dem Auftritt an sich nichts auszusetzen. Musikalisch gibt es die üblichen Metalcore Parts auf die Ohren – brutale Srceams gepaart mit sauberen, fast traumhaften Cleanvocals. Mehr Aufsehen erregte ihr Aussehen, denn die Nordrhein-Westphalen bieten optisch Gegensätze. Während Sänger „Andreas“ wie eine Rockabilly-Figur erscheint, wirkt Gitarrist „Marc“ eher wie ein Hip Hopper. Der Band fiel es schwer, nachzuheizen und nachdem klargestellt wurde, dass mit CALIBAN kein Death oder Black Metal zu erwarten sei, forderten sie zur Wall of Death auf. Die kam auch zustande, doch war sie so klein, dass sie in einem weiträumigen Circle Pit endete. Die Leute waren offensichtlich nicht (mehr) zum Pogen aufgelegt. Mit dem letzten Song „Sonne“ von Rammstein, konnten sie doch noch punkten. Aber die großen Lücken in der Menge blieben. Was war nur mit dem Publikum los?! Als nächstes standen TRIPTYKON auf dem Plan. Mit dem Gründer „Tom G. Warrior“ hatte man ein weiteres Schmankerl on Stage ziehen können, denn er kommt aus der legendären Formation „Celtic Frost“. Aber wie sollte es anders sein, reagierte man darauf nur einigermaßen. Man muss aber dazu sagen, dass sich die Schweizer das missmutige Publikum zum Teil selbst zuzuschreiben hatten. Denn während bei allen anderen Bands der Auftakt stets brachial gestaltet wurde, begann man hier relativ unspektakulär. Doomiges Riffing mit unüberhörbaren, sowie unübersehbaren Gothiceinflüssen. Eine recht düstere Musik, wobei sich sicher Fledermäuse eher angesprochen fühlen. Ein kurzer Blick auf die Uhr – 20:45 Uhr. Und bereits jetzt hatte man den Eindruck, viele hätten das Konzert schon wieder verlassen. Vielleicht wurde man auch nur mehr zu den Bars und Imbissständen gezogen. Das monotone Bühnenbild lud nämlich nicht gerade dazu ein, sich den Auftritt anzuschauen. Mit dem einen oder anderen Song, der mehr in die rockige bis thrashige Richtung abdriftete, versuchte man den Gig etwas aufzupeppen. Doch sollten sich diese Herrschaften lieber Gedanken über optische Abwechslung machen.

Auf zum ersten Headliner des zweiten Tages des CMF und DEM Headliner des „Hatefest“: KATAKLYSM. Extrem fett wurde hier der Sound abgemischt und die Doublebass-Künste des Drummers donnerten ohne Ende los. Auf einmal wurde das Publikum wach und nun ging es wieder gut ab. Jubelnde Massen, Crowdsurfing und riesige Circle Pits – alles war wieder dabei. Wirklich nicht von schlechten Eltern, was die Kanadier mit ihrem ultrabrutalen Death Metal darboten. Gewisse Erwartungen hatte man ja schon, denn schließlich gehören sie zu den Klassikern ihres Genres. Enttäuscht wurde man auf keinen Fall, aber in Sachen Animation, können sie sich bei anderen Combos noch eine Scheibe abschneiden. Aber bei Songs wie „ Push The Venom“ oder „Illuminati“ verziehen die Fans das schnell. Ein kleiner Hingucker sollte wohl Sänger „Maurizio“ darstellen, als er immer wieder mit Wasser aus dem Mund spritzte. Andere hätten an der Stelle sicher zu Kunstblut oder Ähnlichem gegriffen, damit es etwas dramatischer wirkt, aber das sei wohl jedem sich selbst überlassen.

Wenn man dachte, bei KATAKLYSM sei es schon ein großer Andrang gewesen, dann sollte man bei ARCH ENEMY eines Besseren belehrt werden. Kurz nach Beginn des Auftritts wurde klar, auf wen das Publikum so lange gewartet hatte, und das zu Recht. Von der ersten Sekunde an konnte man sich hier ein Auge holen. War Frontfrau „Angela“ zur Autogrammstunde noch sehr feminin gekleidet, mit Brille, Bluse und gedrehten Löckchen, so stand man nun vor einer Science Fiction-Kriegsherrin. In auffälliger Lederkluft mit nietenübersäten Ärmeln schrie sich die gebürtige Deutsche ihre Seele aus dem Leib. Was für eine Ausstrahlung und welch eine Wucht! Man kennt weibliche Extremgesänge vielleicht schon von Bands wie „Arkona“ oder „Recapture“, aber mit einer solchen Brutalität, wie man hier voran schritt, kann so mancher Kerl nicht mithalten. Im Hintergrund liefen beeindruckende Animationen, Bilder und Videos, die uns in eine Zukunft, wie aus der Terminator Filmreihe entführte. Mit gezielter Mimik sowie Gestik jagten ARCH ENEMY dem Zuschauer regelrecht einen Schauer über den Rücken. Wobei die Band trotzdem sympathisch wirkt, besonders die Frontfrau, denn sie weiß mit lockeren Sprüchen beim Publikum zu punkten.

Nach so einer grandiosen Show, zeigten sich die Fans sehr müde. Die Halle leerte sich langsam aber stetig. Doch der Endspurt stand mit MORBID ANGEL noch bevor. Musikalisch hatten sie einiges zu bieten. Die Geschwindigkeit stand eindeutig im Vordergrund. Und tatsächlich waren Schlagzeug und Gitarrensoli so schnell, dass selbst jemand, der sich nicht für diese Art von Musik begeistern konnte, fasziniert war. Oft wird bei den Death Metallern aus Florida mit Obertönen und mit dem Tremolo gearbeitet. Und das bei dieser Schnelligkeit und aller Disharmonie – sehr fesselnd. Optisch allerdings machten die 1983 gegründeten MORBID ANGEL einen ganz anderen Eindruck. Man wurde schon fast an Glamrock erinnert. Besonders Sänger und Bassist „David Vincent“ stach durch sein auffälliges Bühnenoutfit hervor. Er teilte gerne seltsame und gleichzeitig kranke Blicke aus, die mehr verwirren als alles andere. Natürlich war die Band etwas enttäuscht, dass schon so viele nach ARCH ENEMY gegangen waren. Was aber nur zeigte, dass eben diese die wahren Headliner waren.

Nach 16 Stunden und 14 Bands, ging der zweite Tag des CMF in Geiselwind zu Ende. Die Schlüsselfrage, die sich nach wie vor stellt ist, warum das Publikum an Bands wie MARDUK, CALIBAN oder auch MORBID ANGEL so wenig Interesse zeigten. Sicher sind Geschmäcker verschieden, doch sehenswert waren diese Bands allemal. Letztendlich kann man entschieden sagen, dass der Freitag (Schwerpunkt = Power Metal) sehr viel besser ging als der Death Metal Tag. Trotz allem war es ein überaus gelungenes Festivalwochenende mit hochkarätigen Bands. Wir sind sehr gespannt wie ROCK IN CONCERT ein solches Bomben-Billing im Folgejahr toppen will.

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