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Das Erfolgsgeheimnis von Joja Wendt

Joja Wendt InterviewDer Pianist im Interview

Der Hamburger Pianist Joja Wendt hatte sich samt Steinway-Flügel und dem aktuellen Programm „Das Beste am Klavier“ erstmals vom hohen Norden auf den Weg in den Süden Thüringens, nach Suhl, gemacht. Schon mit den ersten Tönen seines Konzerts, genauer gesagt einem Boogie-Woogie, konnte er die Zuhörerschaft von den Stühlen reißen. Erst nach minutenlangem Dauerklatschen, Jubelrufen fünf Zugaben und dem festen Versprechen im nächsten Jahr wiederzukommen, ließen ihn die Suhler und ihre Gäste schweren Herzens gehen. Die [a]live-Reporterin Nicole Meißner traf den Klavierkünstler kurz nach seinem umjubelten Konzert, um herauszufinden was das Geheimnis seines Erfolges ist.

Nicole Meißner / [a]live: Beim Suhler Publikum, dem Sie heute Ihr aktuelles Programm „Das Beste am Klavier“ mitgebracht hatten, sprang der Funke sofort über. Schon nach dem ersten Stück gab es Dauerklatschen und Jubelrufe – später sogar minutenlange Stehende Ovationen. Wie erklären Sie sich dieses Phänomen?

Joja Wendt: Ich glaube heute Abend war der Schlüssel die Vielfältigkeit. Es war ein Programm wo echt alles drinnen war. Klassik, Boogie, Jazz und sogar Popstücke. Ich glaube schon, dass so ein Pianoabend viele verschiedene Stile haben sollte. Das ist auch etwas, was mir selber gefallen würde, wenn ich zu so einem Konzert gehen würde. Dann ist der Abend unterhaltsam, kurzweilig und emotional.

NM: Auf was haben Sie bei der Musikauswahl für diesen Abend besonders Wert gelegt?

JW: Mir persönlich liegen ja immer sehr virtuose Sachen. Insofern habe ich auch sehr virtuose, klassische Stücke gespielt. Aber insgesamt habe ich wirklich Klavierstücke gewählt, die mir im Laufe meiner Zeit, in der ich Klavier spiele, am besten gefallen haben. Dazu zählt eben Stevie Wonder, genauso wie Jazzstücke von Oscar Peterson oder Klassik von Vladimir Horowitz. Im Grunde ist es all das, was ich immer schon gern mit viel Spaß gespielt habe. Insofern war das auch für mich persönlich ein ganz toller Abend.

NM: Das extra Bonbon, was jetzt gerade abgebaut wird, ist ihr beweglicher Flügel, der sich ja sogar mit verbeugen kann. Wie kamen Sie auf die Idee, so eine Sonderanfertigung mit nach Suhl zu bringen?

JW: Die Idee für diesen Flügel ist damals entstanden, als ich die Biographie von Franz Liszt gelesen habe, wo drinnen stand: Wenn er spielte, dann wurde er eins mit dem Flügel, man dachte er tanzt mit dem Flügel zusammen über die Bühne. Da habe ich gedacht, mensch, dass muss doch irgendwie möglich sein, den Flügel zum tanzen zu bekommen. Dann habe  ich diese pneumatischen Beine konzipiert und vom renommierten Flügelproduzenten Steinway einbauen lassen. Seit dem kann er sich mit mir verbeugen. So konnte ich auch die Italienreise visualisieren. Da bin ich mit meinem Flügel über die Bühne, wie damals mit dem VW Bus über die Alpen nach Italien geschaukelt.

Wie lange sind Sie mit diesem guten Stück schon in Deutschland unterwegs?

Ich bin damit schon seit sechs Jahren in Thüringen, Deutschland und dem Ausland unterwegs. Der Flügel mit den pneumatischen Füßen kommt überall gut an. Er ist ja bisher auch der Einzige – ein richtiges Unikat.

Haben Sie sich diese Idee eines über die Bühne tanzenden Flügels patentieren lassen?

Patentiert jetzt nicht, aber es gibt viele Leute, die so etwas auch haben wollen. Aber der Flügel an sich kostet ja schon unheimlich viel Geld. Ich weiß nicht mehr genau, aber sicher so 120.000 Euro. Das Einbauen der Pneumatik war im Gegensatz dazu jetzt nicht so teuer. Aber alles in allem ist es schon teuer.

Wie wird das gute Stück von Ort zu Ort transportiert?

Es gibt einen Mann, der dafür komplett zuständig ist, und zwar der der Christian. Der fährt damit auch nach Singapur, genauso wie nach Los Angeles. Ach wir waren schon überall mit dem Ding. Christian hütet mein Instrument wie seinen Augapfel. Er passt auf, dass ihm nichts passiert und der Flügel fühlt sich auch sehr gut behandelt.

Der Flügel war ja nicht das Einzige, was heute Abend gut ankam. Besonders einprägsam, waren Ihre Interaktionen mit der Zuhörerschaft. Ich denke da nur an das Gläserxylophon oder das Rückwärtssingen von Beethovens „Freude schöner Götterfunken“. Wie wichtig ist Ihnen der Kontakt zu Ihrem Publikum?

Ich hätte nie gedacht, dass man mit dem ganzen Publikum plötzlich rückwärts singen kann. Aber die Suhler und ihre Gäste haben mich überrascht. Ich denke, die Leute, die in meine Konzerte kommen, haben sehr viel Geld bezahlt. Also sollen sie auch wirklich ein Konzert bekommen, was ihnen gefällt. Wo viel drinnen steckt – auch lehrreiche Dinge. Es muss ja nicht immer nur platt unterhalten sein, sondern die Leute lernen genauso, was Sechstolen- Bewegungen, rhythmische Dreiergruppen oder ein Fünfvierteltakt sind. Ich will den Leuten, so ganz nebenbei, auch etwas lernen. Ich will auch Menschen die mit Klaviermusik vorher nichts zutun hatten, einen unterhaltsamen, lehrreichen, aber auch humorvollen Abend bieten. So würde ich es auch wollen, wenn ich in ein Konzert gehe.

Wann, beziehungsweise in welchen Situationen, kommen Ihnen solche Ideen?

Das ist immer so ganz unterschiedlich. Manchmal habe ich eine Idee und denke, mensch, das müsste man mal machen. Und dann dauert es manchmal noch, bis es umgesetzt wird. Manchmal geht es auch ganz schnell. Also zum Beispiel beim Eskimo-Song, bei dem ich mit den Fäusten spiele, diese Idee war ganz schnell da, nachdem ich tatsächlich einen Eskimo mit Handschuhen spielen gesehen hatte. Hingegen dauerte es sehr lange, bis ich meine Idee eines sich bewegenden Flügels verwirklichen konnte. Es gibt ganz viele Sachen, die dauern einfach die Zeit, bis es soweit ist, aber die Idee entsteht immer am Anfang und dann muss man halt auch gucken, wie das realisiert werden kann.

Sind solche Ideen Ihr Schlüssel auch das junge Publikum in den Konzertsaal zu locken? Schließlich sitzen Jahr für Jahr immer mehr junge Gesichter in Ihren Reihen.

Ehrlich gesagt mache ich das gar nicht so sehr, um den oder den zu kriegen. Ich sage nicht, das ist meine Zielgruppe und für die spiele ich. Wenn ich eine lustige Idee habe, dann mache ich das einfach, weil ich das selber lustig finde. In der Hoffnung, das es die Anderen auch lustig finden. Man selber ist immer ein guter Grad und ich habe ein Gespür dafür entwickelt. Wenn man etwas gut findet, dann finden es andere meistens auch gut. Außerdem kann man sich ja auch noch ein bisschen bei seinen Angehörigen ausprobieren.

Also ist Ihre Familie vorher Testfeld?

Ja, bei mir ist sie deutlich das Testfeld und das mit dem rückwärts singen ist auch eine gute Idee gewesen. Ich wusste nicht, dass das möglich ist und dann habe ich das zwei-drei Mal ausprobiert und gesehen das es möglich ist.

Kann man also sagen, dass sich hinter dem Erfolgsgeheimnis von Joja Wendt ganz viele kleine Geheimnisse verbergen? Es ist nicht nur das vielfältige Programm mit Stücken, die Ihnen am Herzen liegen. Es ist auch der Spezialflügel. Nicht zu vergessen Ihre gekonnt platzierten Interaktionen mit dem Publikum. Aber es sind eben auch Familie, Freunde und Ihr Team, die Ihnen den Rücken stärken und mit denen Sie neue Ideen entwickeln und ausprobieren (…)

Ja, aber es ist vor allen Dingen die Musik. Musik ist einfach ein überregionales, ja auch internationales Kommunikationsmittel von Emotionen. Ja von allem Möglichen eigentlich. Sie ist der Schlüssel zum Erfolg.

Ist nicht das Publikum auch noch ein Baustein, den Sie beachten müssen?

Das Publikum ist auf jeden Fall wichtig in einem Konzert. Es ist halt da und deswegen muss das Publikum auch berücksichtigt werden. Also was ganz furchtbar wäre, wenn man da vorne seine Solo-Show abzieht und überhaupt nicht Rücksicht nimmt auf irgendjemanden. Wir sind ja alles Menschen und wir sind hier zusammen um einen schönen Abend zu verbringen. Zudem haben die Leute viel Geld dafür bezahlt, also muss ich diesen Abend so gut wie möglich bestreiten. Die Musik muss im Vordergrund stehen.

Also machen Sie jeden Joja-Wendt-Konzertabend zu etwas ganz besonderem?

Ich finde es ist schon wichtig, dass jeder Abend ein gelungener Abend ist. Jedes Konzert ist anders. Man kann nicht sagen, dass ich in Erfurt, Suhl oder sonst wo immer das Gleiche mache. Jeder Abend wird anders. Einfach dadurch, dass eben andere Leute da sind, das die Stimmung anders ist, das man selber anders drauf ist. Das ist auch das Schöne – finde ich. Das ist nicht wie im Kino, wo alle den gleichen Film sehen. Hier ist es wirklich so, jeder Abend ist anders. Und man kriegt es individuell. Das ist das schöne an einem Konzert. Und man ist ja auch dichter dran in einem Konzert. Deswegen ist ein Konzert immer noch beeindruckender als ein Kinofilm.

Joja Wendts Konzert war in der Tat ein ganz besonderes Erlebnis. Er ist eben ein Künstler, der nicht nur mit Charme, Witz und Show für ein einmaliges Konzerterlebnis sorgt. Im Gedächtnis bleibt ein Virtuose am Klavier, dem kein Stück zu schwer scheint, weil er mit einem atemberaubenden Handwerk daherkommt, dass heutzutage nur noch wenige beherrschen. Vor diesem Ausnahmetalent verneigt sich nicht nur der Steinway-Flügel des Künstlers. Vor diesem Können ziehe ich jetzt und hier meinen Hut. Für alle, die jetzt neugierig geworden sind, oder nach dem Konzert in Suhl immer noch nicht genug haben, sei an dieser Stelle noch Jojas größter Wunsch notiert: „Ich möchte auf jeden Fall wieder kommen.“

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