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Summer Breeze 2017

Willkommen auf einem der größten Metalfestivals in Deutschland, willkommen zum Summer Breeze

19.08.2017 [fs] Mehr als 40.000 Gäste treffen sich jedes Jahr Mitte August auf dem Flugplatz im mittelfränkischen Dinkelsbühl um dort so richtig die Sau raus zu lassen. So spielten zum 20-jährigen Jubiläum des Summerbreeze auf 3,5 Bühnen nationale und internationale Bandgrößen wie Korn, Megadeth, In Extremo oder die Erlanger Fiddlers Green. Warum ich 3,5 schreibe, erkläre ich später – Weiterlesen lohnt sich also. Zunächst möchte ich mich natürlich entschuldigen, dass hier hauptsächlich die Hauptbühne und zu ganz kleinen Teilen nur die T-Stage betrachtet werden. Die Parallelbespielung der Bühnen und die Teamhalbierung durch einen familiären Schicksalsschlag, ließen mich schlussendlich allein über den Platz fegen um für Euch Impressionen einzufangen. Wer noch mehr, natürlich auch über die anderen Bühnen lesen möchte, der kann dieses bei meinen lieben Kollegen von Stagr oder Metal.de tun.

Ich selbst reiste erst am Mittwoch an, jedoch laut Aussagen des Gros der Dienstag angereisten Festivalgänger, soll die Anreise zeitweise sehr zäh verlaufen sein, da die Polizei wohl zusätzlich zur Security sehr stark gefilzt haben. Mit einem kleinen Programm im Campside-Circus geleitete man die Besucher bereits in das bevorstehende Wochenende. Das vor dem Infield stehende Zirkuszelt hielt Special Auftritte wie Unplugged Shows, Wrestling Auftritte, Videovorstellungen und ein Tattoocontest bereit. Die Nimmermüden konnten dort zudem die Nacht zum Tag machen und sich die fetten Beats um die Ohren fegen lassen.

Mittwoch. Mit dem Öffnen des Infields, begann auch der große Run auf den offiziellen Merchandise Stand. Gefühlt versammelte sich dort das halbe Festival. Lange Schlangen, erhöhte Wartezeiten und auch der ausverkaufte Warenbestand in beliebten Größen und Motiven waren die Folge. Ein Aushang über noch Verfügbares wäre hier hilfreich, um letzten Endes nicht vergeblich anzustehen.

Die beiden „kleinen“ Bühnen, die T-Stage und die Camel Stage, wurden bereits in vollem Ausmaß bespielt. Während auf der Camel-Stage kleinere Bands und Comedians auftraten, hielt die diesjährige OpenAir T-Stage eine Reihe an Surprise Acts bereit. So spielten neben den Festivalopenern Blasmusik Ilenschwang und Stve’n’Segull auch noch die Spielleute von In Extremo, die Wikinger Amon Amarth, die Powermetaller Powerwolf und Destruction, welche auch noch im Verlauf des Festivals die Hauptbühnen zum Beben brachten.

Donnerstag. Pünktlich um 11.00 Uhr eröffnete/n nun auch die Hauptbühne/n und diese gilt als ganz große Neuerung des Summerbreeze 2017. Eine Gruppe von Gästen kam nach dem ersten Konzert der ungarischen Folk-Punk-Band Firkin auf uns zu und fragte, wo denn die andere Hauptbühne ist. Unsere Antwort war nur „4..3..2..1.. da ist sie“. Fast magisch war plötzlich die andere Bühne da. Genaugenommen beherbergte die Hauptbühne einen drehbaren Teller. Während auf der einen Seite eine Band spielte, wurde auf der Rückseite bereits das Set der nachfolgenden Band aufgebaut. So wurde trotz einer Bühne sehr kurze Stagetimes ermöglicht. In nur wenigen Sekunden drehte sich das Set und die nächste Band konnte spielen. Mit jeder Menge Rock, Core und Metalklängen ging es anschließend weiter. So gaben sich The New Roses, While She Sleeps, Miss May I, Whitechapel, Obituary und August Burns Red das Mikrofon in die Hand. Mit einem Querschnitt aus der langen Bandgeschichte und einem lupenreinen Auftritt heizten die Life of Agony und ihre offen transsexuell lebende Sängerin Mina Caputo ein. Auch Devin Townsend Project versammelte die Massen vor der Bühne, welche den Acker lautstark zum Beben brachten.

Mit Dave Mustaine und Megadeth betraten Urgesteine der (Trash-)Metal Geschichte die Bühne. Gemeinsam mit Metallica, Anthrax und Slayer gelten sie als Strippenzieher und Wegbereiter des Metals in der 80er Jahren. Trotz anfänglicher Soundprobleme, bei denen Dave teils schlecht, manchmal sogar gar nicht zu hören war, lieferten sie ein bravouröses Set ab und brachten ihre Fans, ob jung oder alt, zum Strahlen und ausgelassenen Feiern. Bekannte Gesichter enterten im Anschluss die Bühne. Amon Amarth entführten in nordische Gefilde und anders als beim Mittwochsauftritt, wurde die Show mit fulminanten Pyroeffekten untermalt. Der Gastauftritt von Metalqueen Doro Pesch allerdings spaltete etwas die Massen. Passte die Einlage oder war es zu viel für die Schweden?

Abgerundet wurde der Abend mit In Extremo. Diese spielten laut eigener Zählung die 1000. Show. Entsprechend feierlich auch die Aufmachung. Effekte, Pyro, Luftschlangen, alles um neben der Musik noch für ein whoooo-aaaahhh Gefühl zu sorgen. Viel Gemeckere hingegen gab es um die letzte Band auf der Mainstage. Parallel zu den Mittelalterspielmännern lief auf der kleineren T-Stage Ensiferum. Beengte Verhältnisse und zu leiser und schlechter Sound sorgten bei den Fans für Unmut, die sich fragten, warum Ensiferum nicht die Mainstage bespielten?! Nun ja, weil Wardruna hier für Gänsehautstimmung sorgten. Sicherlich für viele kein Begriff, so haben doch die meisten diesen Stil bereits bei der Serie Vikings wahrgenommen, für dessen zweite Staffel sie den Soundtrack eingespielt haben. Ich persönlich war froh, dass Wardruna auf der Mainstage spielen durfte, denn genau das, was bei Ensiferum kritisiert wurde, wäre bei dieser Band fatal gewesen: Der Sound. Dieser war schlichtweg bombastisch. Keine Musik zum Ausrasten, sondern im besten Fall zum Hinsetzen, Genießen und den Abend träumerisch ausklingen lassen.

Freitag. Denjenigen, die mit Kaffee und Energy noch nicht die hartnäckige Müdigkeit vertreiben konnten, schleuderten Aversions Crown australischen Deathcore um die Ohren und brachten das Blut in Wallung. Einstige Eluveitie Sängerin Anna Murphy stellte ihr aktuelles Projekt Cellar Darling vor und überzeugte ihre Anhänger mit einer gehörigen Portion Folk Rock, während Battle Beast und Frontfrau Noora finnischen Hardrock kredenzten. Energisch wurde es mit Sonata Arctica und Epicas Frontfrau Simone Simons überzeugte nicht nur mit ihrer Stimme, sondern zog auch optisch alle Blicke auf sich. Nun ohne Anna Murphy, aber mit neuer Sängerin Fabienne wurde es nun folk-rockig mit Eluveitie. Ein astreiner Auftritt, bei dem Fabienne bewies, dass sie in Annas Fußstapfen treten kann. Es folgte ein harter Genrewechsel und Geknüppel zum Pogen. US-Hardcore der alten Schule gab es von Hatebreed auf die Ohren. Der anschließend folgende Rest des Abends lag nun ganz in finnischer Hand. Den Anfang machten die Children Of Bodom und Alexi Laihos Gitarrengeknüppel. Seit 1993 nun werden die Kinder einfach nicht erwachsen und spielen den super mitzugröhlenden Melodic-Deathmetal Sound. Wintersun konnten die Energie weiter steigern und Crowdsurfing war sowieso an der Tagesordnung. Rhythmischer und gesanglicher schlossen Amorphis den Abend ab. Während auf der Hauptbühne gegen 2.00 Uhr das Licht gelöscht und die Stecker gezogen wurden, gab es auf der T-Stage mit 1349 noch eine gehörige Portion norwegischen Black Metal auf die Ohren.

Samstag. Das erste Konzert des Tages endete mit Tränen. Freudentränen des einäugigen Schlagzeugers von Mr. Hurley & die Pulveraffen, um genau zu sein, spielten sie doch 2016 noch auf der kleinen, viel zu überlaufen Camelstage. Damals riefen sie zu #mrhurleyaufdiemain auf und „wenn wir alle die Veranstalter nerven, dann haben sie keine Wahl“. So wurde der Traum wahr und vor der Mainstage war der Teufel los. Einfach nur überwältigend, wen es um diese Uhrzeit bereits aus den Zelten gezogen hat. Sagt man Mr. Hurley nicht viel musikalisches Können nach, so setzte die nachfolgende Band noch einen drauf, oder eher drunter. Kurz gesagt, es kamen die Excrementory Grindfuckers. Partymusik, die das eh schon feiernde Publikum genau ins Ohr traf und wirklich auch den letzten weckte.

Zu Primal Fear wurde es dann leider wieder merklich leerer vor der Bühne. Die deutschen Powermetaller spielten definitiv eine super Show, allerdings waren die Leute eher auf Party aus oder mussten dringend Schlaf nachholen. Letzteres war auch bei dem nun folgenden monoton wirkenden Auftritt von Mono Inc. möglich. Man möge mich nicht steinigen, aber ich bin doch eher beheimatet im handfesten Rock und Metalbereich. Die Band hat eine wirklich große Fanbase, jedoch reißen mich deren ewig gleicher Beat und der immer gleiche Gesang ohne erkennbare Variation und eine Show nicht vom Hocker. Aber gut das Geschmäcker verschieden sind.

Überaus spritzig und energiegeladen ging es anschließend mit Emil Bulls weiter. Mit ihrem Mix aus Rock, Metal und Coreeinflüssen kam wieder Bewegung in der Menge und stachelte die Meute an. Dies setzte sich nicht nur fort, ach was, es wurde noch chaotischer. Knorkator füllten die Bühne. Zu dieser Band braucht man sicherlich nicht viel schreiben, sie sind der deutschen Festivalgesellschaft ein Begriff. Mithilfe der Damenkapelle Berlin allerdings bekam die Musik einen anderen Ton und Stumpen eine Gastsängerin. Auch Doro unterstützte für einen Song die Berliner. Der Party tat dies keinen Abriss, sondern fachte die Bewegungsfreude in der Besuchermasse noch an. Ich würde fast sagen, dass hier das Maximum an Crowdsurfern erreicht wurde. An dieser Stelle möchte ich eine Gruppe von jungen, dynamischen und hochmotivierten Männern lobend erwähnen. Wobei ich ihnen eher schon einen Schrein bauen wollen würde, den Grabenschlampen. Ja, die heißen wirklich so. Die Grabensecurity, die wir bereits beim RockHarz ins Herz geschlossen haben. Die Jungs bewahren auch bei noch so vielen Surfern die Ruhe und verlieren nie den Spaß bei der Sache. Eine derart geile Security habe ich nie erlebt.

Als nächstes kam nun eine Band, die jedes Mal richtig Spaß macht, weil Sänger Mikael auf der Bühne eine derartige Energie versprüht, die einfach mitreißt. Man spürt, dass er extrem gerne auf der Bühne steht. Ich meine natürlich Dark Tranquillity. Highlight sicherlich, dass er einen crowdsurfenden Rollstuhlfahrer mit offenen Armen empfing und mehrfach freudig umarmte. Für beide ein Erlebnis. Einer der Headliner des Festivals und mein persönliches Highlight waren Heaven Shall Burn. Die deutschen Metalcore Götter veranstalteten einen Circlepit nach dem anderen und ein Moshpit folgte dem Nächsten. Das Bühnenbild kennt man zwar von der diesjährigen Festivaltour bereits, aber es beeindruckt immer wieder. Das Repertoire reichte vom neuen Album „Wanderer“ bis hin zu altbekannten Krachern wie „Endzeit“ und Evergreens wie „Black Tears“.

Zunächst hinter einem Banner versteckt, betraten Korn die Bühne. Kaum dass das Intro zu “Rotting in Vain” verklungen war, gab es jedoch keinen Halten mehr. Die Kalifornier spielten einen Krachersong nach dem anderen, bei dessen Fans wohl kaum ein Wunsch offen blieb. Auch ein kleines Dudelsack-Solo des Frontmanns Jonathan Davis fand noch Platz in der Setlist. Zahlreiche Mosh- und Circle-Pits heizten dem Publikum zusätzlich ein. Erst mit dem letzten Song “Freak on a Leash” konnten alle wieder etwas beruhigt werden. Dies hielt aber nicht lange an, da direkt ein riesiger Fanchor laut wurde, der das ganze Konzert abrundete und schließlich auch beendete.

Corvus Corax testeten mit ihrem Projekt Cantus Buranus die Tragfähigkeit der Bühne. Zählen konnte ich die ganzen Leute auf der Bühne nicht, jedoch nach Hörensagen sollen es 80 Personen gewesen sein. Schade allerdings, dass der Sound nicht das Gefühl des prächtigen Anblickes widerspiegeln konnte. Es war leise, zu mittenlastig und irgendwie eher lasch. Es kam bei Weitem nicht an dieses bombastische Erlebnis von Wardruna heran. Mit finnischem Folkmetal und Finntroll leitete man auf der Hauptbühne das Ende ein. Ich hingegen gönnte mir zum Abschluss noch ein wenig T-Stage Genuss mit Fiddlers Green. Die Spaß-Folker machen jedes Mal riesigen Spaß und mobilisieren die Massen mit ihrer Energie. Mit Haggard und ihrem kleinem Orchester gab es danach noch einen Mix aus ruhigen, über monomentalen bis hin zu harten Metalsound auf die Ohren, welches mein Festivalerlebnis Summer Breeze abrundete und die Jubiläumsausgabe zum Abschluss brachte.

Fazit. Innerhalb der 20 Jahre entwickelte sich das Summer Breeze zu einer beständigen Größe im Festivalkalender und zu einem soliden Festival. Neben großen Videoleinwänden für die bessere Sicht, wurden Konzerte auch per Stream für die Zuhausegebliebenen übertragen. Die Neuerungen, wie die drehbare Bühne konnten überzeugen. Der wohl größte Kritikpunkt in diesem Jahr war die sanitäre Versorgung. Die Dixis wurden zu selten geleert. Auf dem Green-Camping, bei dem eigentlich auf Sauberkeit und Ruhe an erster Stelle steht, war die Situation wohl besonders schlimm. So gab es auch keine „Pisspilze“, wodurch viel Männer eben zu Wildpinklern wurden, leider mit entsprechender Geruchsbelästigung. Dies war auch ein megagroßes Problem auf dem Infield. Toiletten liefen über und ein immer breiteres und unangenehm riechendes Flüsschen bahnte sich seinen Weg.

Die T-Stage, welche die Jahre zuvor unter einem sehr geräumigen Zelt Platz fand, war meiner Meinung nach etwas ungünstig platziert. So war sie seitlich deutlich begrenzter als im Zelt. Dadurch gab es an den seitlichen Rändern ein großes Gewusel. Soundtechnisch hätte sie nach der Meinung vieler Gäste auch etwas besser ausgestattet sein können. Zwar roch es unter dem Zelt immer etwas gewöhnungsbedürftig, der Sound und Platz waren aber angenehmer. Ein weiteres, für sehr viele Gäste extrem ärgerliches Konstrukt war das sogenannte Battlefield – der innere Bereich des Infields. Anders als ein seitlich offener Wellenbrecher, führte hier wirklich nur ein kleiner Weg hinein und ein anderer wieder raus. Kurzgefasst musste man einmal über das komplette Infield um zum Eingang zu kommen und entlang der Bühne, um auf der anderen Seite wieder heraus zu kommen. An diesem viel zu kleinem Bereich kam es häufig zu lautstarken Protesten, weil aus Kapazitätsgründen der Zugang geschlossen wurde. Zudem lag der Eingang so ungünstig, dass man beim Anstellen keinen wirklich freien Blick auf die Bühne hatte. Das Resultat war, dass man letztendlich bei stark besuchten Bands sich bereits eine Band vorher anstehen musste und nicht einmal sichergehen konnte, auch wirklich hinein zu kommen. Ein weitläufiger Wellenbrecher wäre hier wohl deutlich besser gewesen. Durch die beiden FOH gab es zudem hinterm Wellenbrecher große Bereiche, in denen man eben die Bühne nicht sehen konnte.

Nichtsdestotrotz war es wieder ein tolles Festival abseits des Alltags. So sehen wir uns im nächsten Jahr wieder. Bis dahin werden bestimmt auch die Kritikpunkte beseitigt.

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